98. Jahrestagung der DOG 2000

K 98

Morphologische Untersuchungen zur Anatomie des Canalis opticus unter klinischen Gesichtspunkten

A. Thale1, K. Jungmann2, F. Paulsen2, B. Tillmann2, R. Rochels1

Hintergrund: Von Schädel-Hirn-Traumata kann es auch bei minimaler Gewalteinwirkung zu einer Amaurose kommen. Die pathophysiologischen Mechanismen der traumatischen Optikusneuropathie sind in diesem Zu-sammenhang unzureichend geklärt.

Ziel: Ziel der vorliegenden Studie ist es, die Morphologie des Canalis opticus zu analysieren, um zum Verständnis der einwirkenden Kräfte und ihrer Verletzungsfolgen beizutragen.

Material und Methoden: Es werden 41 Canales optici von Körper-spendern lichtmikroskopisch, polarisationsoptisch, immunhistochemisch und rasterelektronenmikroskopisch analysiert.

Ergebnisse: In der Durascheide innerhalb des Canalis opticus zeigen Kollagenfibrillen einen scherengitterartigen Verlauf. Zahlreiche Gefäße sind in das scherengitterartige Netzwerk eingelagert. Zwischen Dura mater und Pia mater lassen sich kollagene Bindegewebsbrücken darstellen. An diesen Verbindungsstellen anastomosiert das Gefäßsystem der Dura mit Kapillaren der Pia. In der Arachnoidea lassen sich immunhistochemisch keine Gefäße nachweisen.

Diskussion: Im Falle eines Schädel-Hirn-Traumas mit konsekutiver Amaurose können folgende Pathomechanismen aufgrund unserer morphologischen Befunde diskutiert werden:

  1. Quetschung und Zerreissung von nutritiven Gefäßen durch Kraftübertragung beim Trauma auf die scherengitterartige Kollagentextur der Sehnervenscheide.
  2. Druckatrophie des Nerven als Folge von Verletzung der Mikrovaskularisation mit Mikrohämatombildung und reaktiver ödematöser Schwellung.
  3. Direkte Verletzung von Axonen des Sehnerven durch einwirkende Scherkräfte im Canalis opticus.
1Klinik für Ophthalmologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Hegewischstr. 2, D - 24105 Kiel; 2Anatomisches Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Olshausenstr. 40, D - 24098 Kiel



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