98. Jahrestagung der DOG 2000

P 95

Cyclophsphamid-induziertes Funduskolobom beim Kaninchen

S. E. Coupland, G. Stoltenburg-Didinger, E. A. Holtgrave

Einleitung: Cyclophsphamid (CP) ist bekannt für seine teratogenen Wirkungen, insbesondere der Kopfregion beim Menschen und im Tiermodell. Wir untersuchten CP bzgl. seines okulären Mißbildungspotentials am Kaninchenmodell.

Methoden: Weibliche Kaninchen (‚Weiße Russen‘) wurden mit CP (12-15 mg/kg KG, s.c.) während der Gravidität (Tag 11-12) behandelt. Die Foeten wurden durch Sectio caesarea am 20., 22., 25., 28. und 29 Tag entbunden. Die Wurfgröße variierte zwischen sechs und neun Foeten. Die Foeten der Kontrollgruppe (Häsinnen ohne CP-Applikation) wurden an den gleichen Tagen der Gravidität entbunden. Die Foetenköpfe wurden in 3% Formalin fixiert, in Paraffin eingebettet und Serienschnitte angefertigt. Zusätzlich zur konventionellen Histologie wurden die Präparate immunhistochemisch mit monoklonalen Antikörpern gegen ‘Ki-67’ (MIB-1) und Syndecan untersucht. Die Apoptose wurde durch Detektion der 3’-OH-Gruppen der fragmentierten DNA dargestellt (‚Apoptag in situ apoptosis detection Kit‘, Oncor‘).

Ergebnisse: In der Gruppe der mit CP behandelten Häsinnen konnte ein Funduskolobom mit häufiger Persistenz der hyaloiden Gefäße und einer assoziierten Netzhautdysplasie bei 15 von 60 (25%) Augen meist bilateral nachgewiesen werden. Bei 4 Foeten sah man gleichzeitige Veränderungen am Gaumen. In den Foeten der Kontrollgruppe kam es zu keinen okulären Strukturveränderungen. In beiden Gruppen fanden sich in der äußeren neuroblastischen Schicht der Retina sowohl eine für die Embryonalphase typische große Wachstumsfraktion (Ki-67-pos.) wie auch eine geringe Apoptose. Eine Syndecan-Expression wurde in beiden Gruppen an verschiedenen Geweben beobachtet.

Zusammenfassung: Es konnte gezeigt werden, daß CP durch Störungen der retinalen Embryogenese zu einer erhöhten Inzidenz von Funduskolobomen und einer häufigeren Persistenz von hyloidalen Gefäßen führt. Solche Veränderungen sind üblicherweise bei chromosomalen Aberrationen wie der Trisomie 13 (‘M. Patau’) anzutreffen. Die Untersuchungen bestätigen die Hypothese, daß CP zu einer gestörten Apoptoseregulation in embryonalem Gewebe führt.

Universitätsklinikum Benjamin Franklin der Freien Universität Berlin,

Hindenburgdamm 30, D-12200 Berlin



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