98. Jahrestagung der DOG 2000

P 91

Intraokularer Kupfer-FK ohne Verifizierung mittels CT und MRT

S. Walter, U. Schmidt, R. Fiedler, W. Lieschke, J. Kuchenbecker

In der heutigen Medizin mit den modernen Techniken der bildgebenden Diagnostik bestehen noch immer Grenzen in der Darstellbarkeit und Verifizierung von metallischen intraokularen Fremdkörpern (FK).

Kasuistik: Ein 11-jähriger Junge spielte im März’98 mit einer Drahtpeitsche auf dem Schulhof und stach sich damit ins linke Auge. 2 Tage später stellte sich der Junge bei einer ambulanten Augenärztin vor. Die nachfolgend auftretenden rezidivierenden Uveitiden wurden bei vollem Sehvermögen im Intervall antiphlogistisch behandelt. Eine ambulante Untersuchung im Nov.’99 offenbarte einen Iristumor und einen VisusabFall.

Befunde: In der durch die Augenärztin veranlaßten auswärtigen MRT-Untersuchung konnte kein i.o.Tumor oder FK dargestellt werden. Es erfolgte eine Vorstellung in unserer Klinik. Neben Glaskörpertrübungen mit einem Sehvermögen von 0,2 sahen wir auf dem linken Auge einen Stichkanal in der Linse sowie einen peripheren Iristumor . In der UBM-Untersuchung zeigte der Tumor eine deutlich erhöhte Reflektivität im Zentrum mit angedeutetem Schallschatten. Die Röntgen-Darstellung der Orbita ergab keinen Anhalt für einen FK. Mittels Gonioskopie wurde ein sich im Irisstroma eingewachsener rötlich glänzender FK sichtbar. Wegen des Verdachts auf einen Kupfer-FK erfolgte eine CT-Untersuchung der Orbita mit dem Ergebnis der Darstellung des FK in der Bulbushülle und einer Interpretation als Leichtmetall. Der FK wurde operativ aus dem Kammerwinkel entfernt und in der Röntgenspektralanalyse eindeutig als Kupfer-FK identifiziert. Im weiteren Verlauf stieg das Sehvermögen auf 0,8 an. Das ERG war im Normbereich.

Schlussfolgerung: Iristumoren können durch intraokulare FK vorgetäuscht werden. Mit den vorhandenen bildgebenden Techniken besteht eine begrenzte Darstellbarkeit winziger metallischer FK . Aufgrund ihrer kleinen Ausdehnung können diese oft nur schwer hinsichtlich ihrer Zusammensetzung interpretiert werden. Eine genaue Anamnese ist deshalb ausschlaggebend für die Diagnostik und frühzeitige, kausale Therapie.

Augenklinik, Otto-von-Guericke-Universität, Leipziger Str. 44,

D-39120 Magdeburg



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