98. Jahrestagung der DOG 2000

R 833

Fraktionierte Radiotherapie suprasellärer Tumoren

J. Lutterbach

Hintergrund: Hypophysenadenome, Craniopharyngeome und Meningeome der Schädelbasis sind klinisch durch Symptomenkomplexe charakterisiert, welche durch lokal expansives Wachstum und/oder übermäßige Hormonproduktion hervorgerufen werden. Die Diagnostik umfaßt Kernspintomographie, ophthalmologische, endokrinologische und neurologische Untersuchungen. An therapeutischen Verfahren stehen die Operation, die medikamentöse Behandlung und die Radiotherapie zur Verfügung.

Indikationen zur percutan-fraktionierten Radiotherapie: Die Normalisierung erhöhter Hormonspiegel nach primärer Bestrahlung hormonaktiver Hypophysentumoren nimmt z. T. mehrere Jahre in Anspruch. Moderne Operationstechniken oder Präzisionsbestrahlungen (Radiochirurgie) führen hier schneller zum Ziel. Indiziert ist die percutan-fraktionierte Bestrahlung deshalb bei Nichtansprechen der medikamentösen Therapie, subtotaler Resektion bzw. Inoperabilität. Bei hormoninaktiven Tumoren mit Masseneffekt sollte zur Entlastung kritischer Strukturen zunächst die neurochirurgische Dekompression erfolgen, gefolgt von einer postoperativen Strahlentherapie. Eine weitere Indikation stellt das Vorliegen eines Rezidivtumors dar. Craniopharyngeome und Meningeome der Schädelbasis können sowohl primär als auch nach subtotaler Resektion bzw. in der Rezidivsituation bestrahlt werden.

Durchführung der Radiotherapie: Planung und Durchführung der Behandlung erfolgen in Maskenfixation, um eine reproduzierbare Lagerung zu gewährleisten. Die früher übliche Simulatorplanung wird zunehmend von der dreidimensionalen computertomographie-gestützen Planung abgelöst. Nur letztere ermöglicht eine präzise Definition des Zielvolumens sowie eine exakte Dosimetrie im Bezug auf umgebende Risikoorgane wie z.B. das Chiasma opticum. Die Bestrahlung erfolgt über Mehrfelder- und Rotationstechniken. Laterale Gegenfeldtechniken sind wegen der Belastung der Temporallappen zu vermeiden. Die Einzeldosis beträgt 1,8 Gy, die Gesamtdosis 50,4 Gy bei Hypophysenadenomen, 54 Gy bei Craniopharyngeomen und 59,4 Gy bei Meningeomen. Behandlungsdauer: ca. 6-7 Wochen.

Ergebnisse: Die Bestrahlung des rezidivierenden GH-produzierenden Hypophysenadenoms führt bei 80% der Akromegalie-Patienten zu einer andauernden Normalisierung des Wachstumshormonspiegels. Mit kombiniert operativ-radiotherapeutischem Therapiekonzept kann beim hormoninaktiven Hypophysenadenom eine 10-Jahres-Rezidivfreiheit von 90% erzielt werden. Ähnliche Ergebnisse wurden für Craniopharyngeome und Meningeome der Schädelbasis berichtet.

Bei ca. 20% der Patienten tritt – z. T. allerdings erst nach Jahren - ein (partieller) Hypopituitarismus auf. Spätfolgen der Bestrahlung am optischen Apparat zeigen sich bei Einzeldosen von 1,8 Gy und einer Gesamtdosis von 45 Gy in < 1%.

Nachsorge: Die Nachsorge erfolgt durch alle an der Therapie beteiligten Disziplinen. Um das Therapieergebnis sowie unerwünschte Nebenwirkungen zuverlässig beurteilen zu können, sind langfristige (> 10 Jahre) kernspintomographische, ophthalmologische und endokrinologische Verlaufskontrollen notwendig.

Abteilung Strahlenheilkunde, Radiologische Universitätsklinik, Hugstetter Straße 55, D - 79106 Freiburg im Breisgau



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