98. Jahrestagung der DOG 2000

P 805

Vergleich zwischen PMMA- und Heparin-beschichteten Hinterkammerlinsen bei Patienten mit Pseudoexfoliationssyndrom (PEX): Eine lasertyndallometrische Studie

S. Schumacher, M. J. M. Groh

Einleitung: Patienten mit Katarakt und Pseudoexfoliationssyndrom (PEX) weisen im Vergleich zu Patienten ohne PEX prä-und postoperativ eine beeinträchtigte Blut-Kammerwasser-Schranke („Pseudouveitis") auf. In der vorliegenden Studie wollten wir den Einfluß von heparinbeschichteten Hinterkammerlinsen (HepIOL) auf die postoperative Schrankenstörung im Unterschied zu unbeschichteten PMMA-Linsen (PMMA) vergleichen.

Methode: Wir untersuchten zwei Patientengruppen mit Pseudoexfoliations-syndrom präoperativ und am 1., 3. und 5. postoperativen Tag. Die Blut-Kammerwasser-Schrankenstörung wurde mittels Laser-Tyndallometrie (in photon counts/ms) [Laser-Flare-Cell-Meter, Kowa, FC-1000] bestimmt. Alle Patienten wurden mittels Phakoemulsifikation von einem Operateur operiert. Bei Gruppe 1 (6 Frauen, 4 Männer; mittleres Alter 77,7 ± 5,7 Jahre) wurde eine heparinbeschichte Hinterkammerlinse (Pharmacia 722C, 6,5 mm Optik) implantiert. Gruppe 2 (7 Frauen, 4 Männer; mittleres Alter 74,2 ± 5,3 Jahre) wurde mit einer unbeschichteten PMMA-Hinterkammerlinse (Pharmacia 808A, 6,5 mm Optik) versorgt. Die Medikation war in beiden Gruppen gleich.

Ergebnisse: Die präoperativen Tyndallometriewerte waren in beiden Gruppen vergleichbar (16,8±7,7 [PMMA] versus 14,4±9,2 [HepIOL]; p=0,2). Die Beein-trächtigung der Blut-Kammerwasser-Schranke am 1. postoperativen Tag war in der PMMA-Gruppe (42,3 ± 21,3 [PMMA] ) signifikant ausgeprägter als in der Kontrollgruppe (22,9±18,9 [HepIOL]; p=0,004). Die Flarewerte am 3. post-operativen Tag waren in beiden Gruppen erhöht, jedoch nicht signifikant ver-schieden (22,9±7,9 [PMMA] versus 21,5±21,7 [HepIOL]; p=0,08). Am 5. post-operativen Tag fanden sich wiederum signifikant höhere Werte in der Gruppe der PMMA-Linsen (21,2±6,4 [PMMA] versus 18,7±22,62 [HepIOL]; p =0,01).

Schlußfolgerung: Die erhöhten Tyndallometriewerte in der Gruppe der Pa-tienten mit PMMA-Linsen lassen auf eine stärkere Alteration der Blut-Kammer-wasser-Schranke schließen. Aus den Daten der vorliegenden Studie kann ge-schlossen werden, daß der Einsatz heparinbeschichteter Hinterkammerlinsen bei Patienten mit Pseudoexfoliationssyndrom von Vorteil sein könnte.

Augenklinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg, Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen

Mit Unterstützung der DFG ( SFB 539 )



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