98. Jahrestagung der DOG 2000

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Visusreduktion nach Überdosierung des Antiepileptikums Sultiam (Ospolotâ )

B. Schroeder, N. Neißkenwirth gen. Schroeder, S. Hörle

Hintergrund: Das Antiepileptikum Sultiam (Ospolotâ ) ist ein Sulfonamid-präparat, das bei Rolando-Epilepsie, einer benignen, fokalen Epilepsieform im Kindesalter eingesetzt wird. Eine Steigerung der empfohlenen Dosis von Sultiam bis zur AnFallsfreiheit wird gelegentlich durchgeführt. Wir berichten über einen Fall mit reversibler Visusreduktion nach Überdosierung von Sultiam.

Kasuistik: Bei der 11-jährigen Patientin waren in der Schule Schwierigkeiten beim Lesen aufgeFallen. Die Sehschärfe betrug ohne Korrektion rechts 0.05 und links 0.1, Gläser besserten nicht. Ishihara-Tafeln und der Farnsworth Panel D-15 ließen eine signifikante Rot-Grün Störung erkennen. Da keinerlei andere Ursachen für die Visusreduktion gefunden werden konnten, bestand der Verdacht auf eine Toxizität des von der Patientin in extrem hoher Dosierung eingenommenen Antiepileptikums. Die Tagesdosis war vom behandelnden Neurologen auf 25 mg/kg/die (empfohlene Dosis: 5-10 mg/kg/die) gesteigert worden. Nach sofortiger Dosisreduktion kam es zu einem Anstieg des Visus auf beiderseits 0,8 und zur Rückbildung der Farbsinnstörung.

Schlußfolgerungen: Bei Überdosierung von Sultiam kann es zu einer gravierenden, reversiblen Visusreduktion kommen. Diese dosisabhängige Nebenwirkung des Medikamentes ist bisher offenbar unbekannt. Sowohl Rückfragen beim Hersteller als auch eine ausführliche Literaturrecherche in den Medline- und DIMDI-Datenbanken konnten keine Berichte über gleichartige Nebenwirkungen aufzeigen.

Medizinisches Zentrum für Augenheilkunde der Philipps-Universität, Robert-Koch-Straße 4, D-35033 Marburg



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