98. Jahrestagung der DOG 2000

R 774

Er:YAG-Laseranwendungen am hinteren Augenabschnitt

P. Janknecht

Einleitung: Die Verwendung (elektro)mechanischer Instrumente bei der Vitrektomie stößt immer wieder an Grenzen. So wäre eine Erhöhung der Schnittfrequenz der den Glaskörper schneidenen Instrumente vorteilhaft, da sich dann die Glaskörperbasis noch schonender abtragen liesse. Gleichermassen vorteilhaft wäre es, fest anhaftende epiretinale Membranen berührungslos abtragen zu können, wie es manchmal mit Mikropinzetten nicht möglich ist.

Stand der Forschung und Entwicklung: Besonderes Interesse erweckt in der letzten Zeit der Er:YAG-Laser. Seine Wellenlänge von 2,94 µm stimmt mit dem Absorptionsmaximum von Wasser überein. Die daraus resultierende geringe optische Eindringtiefe von wenigen Mikrometern macht diesen Lasertyp für mikrochirurgische Anwendungen besonders interessant. Am Hinterabschnitt des Auges hat dies zu zwei Entwicklungsrichtungen geführt. Zum einen wird versucht, den Er:YAG-Laser dazu zu verwenden, den Glaskörper zu schneiden. Dabei kann eine hohe Schnittfrequenz erreicht werden. Dies kann man mit einem entsprechend geringerem Sog am Vitrektomieansatz kombinieren und so schonend die Glaskörperbasis abtragen. Die andere Entwicklungsrichtung geht dahin, den Er:YAG-Laser zur Abtragung epiretinaler Membranen (oder der Lamina limitans interna) zu benutzen. Gerade die Abtragung einer epiretinalen Membran bei einer Amotio retinae, welche durch eine proliferative Vitreoretinopathie verursacht ist, gestaltet sich oft schwierig und stösst an die Grenzen der üblichen Mikroinstrumente. Erste Tierversuche zeigen, daß es aller Wahrscheinlichkeit nach möglich sein wird, diese Membranen berührunslos mit dem Er:YAG-Laser abzutragen.

Ausblick: Lassen sich beide Forschungsrichtungen zusammenführen, hätte man mit dem Er:YAG-Laser ein universelles Instrument an der Hand, mit dessen Hilfe Eingriffe am Hinterabschnitt des Auges besser als heute durchgeführt werden können. Gerade diese Kombination aus Schneiden des Glaskörpers und Membranablation macht die Forschung am Er:YAG-Laser ganz besonders reizvoll. Ob der Er:YAG-Laser noch universeller einsetzbar ist, bleibt abzuwarten. Es ist zumindest möglich, mit diesem Lasertyp eine Katarakt, ein Glaukom und sogar an der Hornhaut (Trepanation bei Keratoplastik) zu operieren.

Augenklinik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg



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