98. Jahrestagung der DOG 2000

P 767

Modifikation der retinalen Adhäsion zur Makulatranslokation – ultrastrukturelle Ergebnisse nach artifizieller Netzhautabhebung

P. Szurman, G. Thumann, U. Schraermeyer, K. U. Bartz-Schmidt

Einleitung: Die artifizielle Netzhautabhebung im Rahmen der Makulatranslokation verursacht ultrastrukturelle Schäden im RPE-Photorezeptoren-Interface. Durch geeignete Parameteränderung sollen die retinale Adhäsion reduziert und diese Schäden minimiert werden.

Methoden: Pigmentierte Kaninchen wurden vitrektomiert und der Glaskörperraum für 10 min mit verschiedenen Spüllösungen transfundiert. Vollsubstituierte Elektrolytlösungen wurden in verschiedenen Osmolaritäten (300mOsm + 500mOsm) und unterschiedlicher Temperatur (19°C + 34°C) bei variablem Kalziumgehalt untersucht. Um die retinale Adhäsion unter ischämischen Bedingungen zu testen, wurde der IOP auf 60mmHg erhöht. Physiologische Elektrolytlösung mit und ohne Vitrektomie dienten als Kontrollgruppe. Durch transretinale Injektion von 1ml physiologischer Elektrolytlösung in den subretinalen Raum wurde die Netzhaut abgelöst. Nach rascher Enukleation wurden die Augen in 2% Glutaraldehyd fixiert und für die Transmissions- und Rasterelektronenmikroskopie aufbereitet.

Ergebnisse: Nur in Gegenwart von Kalzium fanden sich adhärente RPE-Fragmente an der Netzhaut. In der Kontrollgruppe waren die Photorezeptoren deutlich gequollen und fragmentiert mit partiellem Verlust der Plasmamembran. Kalziumfreie Lösung reduzierte die Adhäsion deutlich bei geringerem retinalen Schaden. Hyperosmolare und EDTA-haltige Lösungen zeigten jedoch eine massive Zellschädigung in allen Netzhautschichten. Temperaturerhöhung führte zu einer moderaten Reduktion der retinalen Adhäsion, während Ischämie bei deutlichem ultrastrukturellen Schaden keinen Einfluß auf die Adhäsion zeigte.

Diskussion: Die artifizielle Netzhautabhebung im Rahmen der Makulatranslokation verursacht eine ultrastrukturelle Schädigung, welche durch Reduktion der adhäsiven Kräfte gemindert werden kann. Biochemische und physikalische Parameter beeinflussen signifikant die retinale Adhäsion, können zur Vermeidung toxischer Effekte jedoch nur vorsichtig modifiziert werden. Die Modifikation von Kalzium und Temperatur erscheinen hier als vielversprechender und schonender Ansatz.

Augenklinik der Universität zu Köln, D-50931 Köln



Zurück