98. Jahrestagung der DOG 2000

P 766

Makulaschäden durch die totale Sonnenfinsternis am 11.8.1999

W. F. Schrader, R. Grajewski

Einleitung: Am 11.8.1999 war im süddeutschen Raum eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten, die erste seit über 150 Jahren in diesem Raum. Erwartungsgemäß beobachteten dieses seltene Ereignis zur Mittags- und mehrere Millionen Menschen Ferienzeit allein in Deutschland. Da nach den Erfahrungen mit der annulären Sonnenfinsternis 1912 und der partiellen Sonnenfinsternis in Berlin 1954 (Inzidenz einer Makulaschädigung jeweils 5/100 000) in Deutschland mehrere tausend Opfer befürchtet wurden, wurde durch die Presse auf die Gefährlichkeit der direkten Sonnenbeobachtung ohne Sicherheitsbrillen hingewiesen. Uns interessierte, in welchem Umfang Aufklärung und Schutzbrille einen photochemischen Schaden verhindern konnten.

Methode: Umfrage an allen Augenkliniken in Deutschland, Abdruck eines standardisierten Fragebogen in ophthalmologischen Fachzeitschriften. Ermittlung der Zahl der Makulaschäden. Durch Nachfragen ein halbes Jahr nach der Finsternis werden Angaben über die morphologische Entwicklung und den Visus erhoben.

Ergebnisse: Laut Herstellerangaben wurden in Deutschland 17 Millionen Schutzbrillen verkauft. Die Sonnenfinsternis fand bei überwiegend bedecktem Himmel statt, so daß laut Presseberichten nur jeder 9. Beobachter in der Totalitätszone die Phase der totalen Sonnenfinsternis überhaupt sehen konnte. Von 69 Augenkliniken, die eine Bevölkerung von 32 Millionen Menschen versorgen, wurden 47 Fälle mit ophthalmoskopisch sichtbaren Makulaschäden (Inzidenz 0,16/100 000) berichtet. Jeder vierte symptomatische Patient hatte die Sonnenfinsternis im Mittelmeerraum, meist ungeschützt, beobachtet. In 17 Fällen war der Visus nicht herabgesetzt (=1,0), in 23 Fällen lag er zwischen 0,5 und 0,8 und in 7 Fällen war er schlechter als 0.5.

Schlußfolgerung: Aufklärung, Sonnensichtbrille und das schlechte Wetter haben gleichermaßen eine Retinopathia solaris Epidemie verhindert, wie sie bei früheren Finsternissen beobachtet wurde.

Universitätsaugenklinik, Josef-Schneider-Str. 11, D-97080 Würzburg



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