98. Jahrestagung der DOG 2000

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Analgosedierung in der Kataraktchirurgie: Piritramid vermindert die endokrine Stressantwort und das subjektive Schmerzempfinden bei der Peribulbäranästhesie

A. Nestler1, K. U.Burkhardt2, F. Schlichtenbrede1, S. Reinhardt1, R. Wiedemann1

Hintergrund: Die Peribulbäranästhesie wird in der Kataraktchirurgie routinemäßig eingesetzt. Für den Patienten stellt die Injektion oft den unan-genehmsten Teil der Operation dar. Aus der durch Angst und Schmerz verursachten Katecholaminfreisetzung resultiert für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein erhöhtes Risiko kardialer Komplikationen. Wir untersuchten die Wirkung einer Analgosedierung mit dem Opioid Piritramid auf Katecholaminfreisetzung und Schmerzempfinden.

Patienten und Methoden: 20 Patienten wurden vor einer geplanten Kataraktoperation in zwei gleiche Gruppen unterteilt. Alle Patienten erhielten 3,75 mg Midazolam p.o. als Praemedikation 60 min vor der Operation und eine Peribulbäranästhesie mit 4,5 ml Bupivacain 0,5%, 1,5 ml Lidocain 2% und 300 IE Hyaluronidase. Bei Gruppe 1 erfolgte zusätzlich 5 min vor der Injektion der Lokalanästhetika eine Analgosedierung mit Piritramid. Bei allen Patienten wurden perioperativ Blutdruck, Puls und O2-sättigung im Blut nichtinvasiv gemessen und die Vanillinmandelsäure (VMS) im 12h-Sammelurin bestimmt, wobei die Menge an VMS, die in der Nacht vor der Operation ausgeschieden wurde, mit der am Operationstag freigesetzten Menge verglichen wurde. Das subjektive Schmerzempfinden bei der peribulbären Injektion wurde mit einer Schmerzskala (von null = kein Schmerz bis zehn = maximal vorstellbarer Schmerz) dokumentiert.

Ergebnisse: Die Kataraktoperation verlief bei allen Patienten komplikationslos. Bei den Patienten mit Analgosedierung (Gruppe 1) lagen die VMS-Werte am OP-Tag im Durchschnitt 10% unter den Nachtwerten, während in der Kontrollgruppe (Gruppe 2) die Tageswerte im Durchschnitt um 5% gegenüber dem Nachtwert anstiegen. Direkt nach der peribulbären Injektion blieb der arterielle Mitteldruck in Gruppe 1 unverändert, in Gruppe 2 stieg er um 8,1% an. Die durchschnittliche Schmerzangabe in Gruppe 1 betrug 1,4 gegenüber 3,3 in Gruppe 2.

Schlußfolgerung: Durch eine Analgosedierung mit Piritramid werden bei der Peribulbäranästhesie die endokrine Stressantwort und das subjektive Schmerzempfinden deutlich gemindert. Dadurch kann das Risiko kardiovaskulärer Komplikationen gesenkt und das subjektive Wohlbefinden des Patienten und damit der Patientenkomfort verbessert werden.

1Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Liebigstr. 10-14, D – 04103 Leipzig

2Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Liebigstr. 20a, D – 04103 Leipzig



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