98. Jahrestagung der DOG 2000

K 754

Opioide zur perioperativen Konditionierung: Stressmonitoring während der Ophthalmochirurgie in Lokalanästhesie

F. C. Schlichtenbrede1, M. C. Bartram1, K. U. Burkhardt2

Hintergrund: Bei älteren Patienten führt präoperativer Streß auch bei kleineren Eingriffen in der Ophthalmochirurgie häufig zu kardiovaskulären Problemen wie hy-pertonen Krisen und Arrhythmien. Die operationsbedingte Belastung und der Schmerz der Peribulbäranästhesie ziehen einen Anstieg der Serumkatecholamine (Adrenalin und Noradrenalin) und somit auch klinischer Parameter nach sich. Die Prämedikation mit Midazolam soll diese Effekte begrenzen, erwies sich jedoch in der Dosierung von 0.05 mg/kg KG p.o. in unserer Praxis als unzureichend. Zur Erhöhung des Patien-tenkomforts und der Sicherheit der Prozedur wurde das Opioid Piritramid zur peri-operativen Konditionierung vor der Peribulbäranästhesie i.v. verabreicht.

Patienten und Methoden: 28 geriatrische Patienten wurden in zwei Gruppen auf-geteilt. Alle Patienten erhielten 60 min vor Op Midazolam p.o. sowie eine standard-isierte Peribulbäranästhesie mit 6 ml Bupivacain 20 min vor Op. Die Patienten der Gruppe 2 erhielten zusätzlich Piritramid (0.025 mg/kg KG) 5 min vor der Injektion. Zur Objektivierung der Streßantwort wurden perioperativ zu festen Zeitpunkten neben der klinischen Beobachtung (Blutdruck, Herzfrequenz (HF), O2-Sättigung und EKG) bio-chemische Paramenter bestimmt. Zeitgleich erfolgte hierzu eine Blutabnahme; aus dem Serum wurden die Katecholamine mittels HPLC bestimmt. Zusätzlich erfolgte eine subjektive Einschätzung des Schmerzempfindens durch Patient und Operateur.

Ergebnisse: Bei allen Patienten war die Kooperation gut und die Operation wurde ohne Zwischenfälle ausgeführt. In der Gruppe 1 zeigte sich ein deutlicher Anstieg der Vitalparameter (Blutdruck und HF) während der Injektion im Vergleich zu Gruppe 2. Zwischen beiden Gruppen fanden sich keine signifikanten Unterschiede der Veränderungen der Noradrealinspiegel relativ zum Ausgangswert. In der Opioid-be-handelten Gruppe 2 ergaben sich jedoch signifikant niedrigere relative Veränderun-gen der Adrenalinspiegel und deutlich niedrigere Werte in der Einschätzung des subjektiven Schmerzempfindens.

Schlußfolgerungen: Die intravenöse Verabreichung des Opioids Piritramid vor Peribulbäranästhesie reduziert sowohl die kardiovaskuläre Streßantwort als auch das subjektive Schmerzempfinden signifikant. Dies erhöht den Patientenkomfort deutlich und führt somit zur Erhöhung der Sicherheit operativer Eingriffe ohne zusätzliche Risi-kofaktoren mit sich zu bringen. Deshalb empfehlen wir die routinemäßige Opioid-Vor-behandlung in der Ophthalmochirurgie unter entsprechendem Monitoring.

1Universitäts-Augenklinik, 2Universitäts-Klinik für Anästhesiologie, Liebigstr 10-14, D-04103 Leipzig



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