98. Jahrestagung der DOG 2000

K 753

Kataraktoperation in Lidocain-Gel-Anästhesie und in Peribulbäranästhesie bei niedriger Endothelzellzahl

Z. Sherif, S. Lechner, N. Anders

Hintergrund: Eine niedrige Endothelzellzahl gilt in der Kataraktchirurgie als Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für die passagere Endotheldekompensation. Um mechanische Irritationen der Hornhaut weitestgehend auszuschließen und die Motilität des Auges vollständig zu unterdrücken wird bei niedriger Endothelzellzahl die Peribulbäranästhesie häufig der Lidocain-Gel Anästhesie vorgezogen. Darüber hinaus wird ein toxischer Effekt der zusätzlichen i.o. Gabe von Lidocain bei der Gel-Anästhesie diskutiert. In dieser retrospektiven klinischen Studie wird die Rate passagerer Endotheldekompensationen nach Phakoemulsifikation und HKL-Implantation bei niedriger Endothelzellzahl in Abhängigkeit von der gewählten Anästhesieform ermittelt.

Patienten und Methoden: Für den Zeitraum von 1998 bis 1999 wurden alle Patienten erfasst, die eine Endothelzellzahl am zu operierenden Auge von £ 1500/mm² hatten und sich einer Phakoemulsifikation und HKL-Implantation in Peribulbäranästhesie oder in Lidocain-Gel Anästhesie unterzogen. Alle Augen zeigten einen unauffälligen spaltlampenmikroskopischen Befund, insbesondere keine C. guttata. Für die Bestimmung der Endothelzellzahl verwendeten wir ein Non-Contact Spekularmikroskop ROBO-CA der Fa. KONAN. Zur Peribulbäranästhesie wurde eine Mischung aus 4-6ml Prilocain 2% mit einem Zusatz von 150 IE Hyaluronidase/10ml peribulbär injiziert. Für die Lidocain-Gel Anästhesie wurden 1 Tropfen Xylocain 2% auf die Bindehaut in der Starschnittregion aufgetragen und zusätzl. 0,15ml Lidocain 1% i.o appliziert. Alle Patienten wurden am ersten postop. Tag spaltlampenmikroskopisch untersucht und der klinische Hornhautbefund dokumentiert. Alle Patienten wurden vom selben Operateur operiert.

Ergebnisse: Die Endothelzellzahl bei 78 eingeschlossenen Patienten betrug im Mittel 1148/mm² (SD=104). Davon wurden 48 Patienten in Lidocain-Gel Anästhesie und 30 Patienten in Peribulbäranästhesie operiert. 5 aus der Gruppe der in Gel-Anästhesie operierten Patienten und 3 der peribulbär anästhesierten Patienten zeigten postoperativ Deszemetfalten. In keinem der Fälle kam es zu einer klinisch manifesten passageren Endotheldekompensation.

Diskussion: Trotz spaltlampenmikroskopisch völlig unauffälligem Hornhautbefund lieferte erst die Spekularmikroskopie bei den untersuchten Patienten den Hinweis auf eine deutlich reduzierte Endothelzellzahl. In der vorliegenden Untersuchung zeigte sich keine signifikant erhöhte passagere Endotheldekompensationsrate in der Gruppe der mit Lidocain-Gel anästhesierten Patienten gegenüber den peribulbär anästhesierten Patienten.

Augenklinik Universitätsklinikum Charité, Campus Virchow-Klinikum, D-13353 Berlin



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