98. Jahrestagung der DOG 2000

K 702

Extraokulares Tumorwachstum nach intraokularer Biopsie beim Retinoblastom

A. Schüler, H. Schilling, N. Bornfeld

Ein diffus infiltrierendes Retinoblastom kann das klinische Bild einer Uveitis oder Endophthalmitis simulieren. Eine intraokulare Biopsie zur diagno-stischen Abklärung könnte in diesen Fällen zur extraokularen Tumorzell-verschleppung führen und damit die Überlebensprognose verschlechtern.

Patienten: Zwischen 1990 und 1999 wurden 3 Kinder mit einem fortge-schrittenen Retinoblastom vorgestellt, bei denen zur Diagnosestellung eine Biopsie durchgeführt worden war. Das Alter lag zwischen 3 und 13 Jahren. Es handelte sich bei allen Fällen um unilaterale Retinoblastome. In 2 Fällen erfolgte die Diagnosestellung zytologisch nach einer Vorderkammer-punktion und in einem Fall nach einer Feinnadelaspirationsbiopsie (FNAB) aus dem Glaskörperraum. Aufgrund der fortgeschrittenen Tumorbefunde mußten die Augen enukleiert werden. Histologisch konnte die Diagnose stets bestätigt werden. In einem Fall zeigte sich histologisch im corneo-skleralen Stichkanal eine Tumorzellabsiedlung. Nach FNAB bestätigte eine Orbitainspektion ein umschriebenes extraokulares Tumorwachstum im Bereich der Punktionsstelle. In zwei Fällen mit nachgewiesener trans-skleraler Tumorzellverschleppung mußte infolgedessen eine systemische Polychemotherapie durchgeführt werden. Im dritten Fall mit dringendem Verdacht auf eine bioptisch induzierte orbitale Tumorzellverschleppung wurde eine perkutane Strahlentherapie der Orbita an die Enukleation angeschlossen. Während einer Nachbeobachtung über 10 Jahre bzw. 12 und 15 Monate wurden kein systemisches oder lokales Rezidiv beobachtet.

Schlußfolgerung: Das Risiko einer Tumorzellverschleppung in die Orbita ist nach einer intraokularen Biopsie beim Retinoblastom als sehr hoch einzuschätzen. Nach erfolgter Biopsie müssen zusätzliche Therapiemaßnahmen eingeleitet werden. Vor einer intraokularen Biopsie bei Kindern muß klinisch und gegebenenFalls mittels bildgebender Verfahren ein Retinoblastom ausgeschlossen werden. Besteht der Verdacht auf ein Retinoblastom muß jeder bulbuseröffnende Eingriff als strikt kontraindiziert angesehen werden.

Universitäts-Augenklinik Essen, Hufelandstraße 55, D-45122 Essen



Zurück