98. Jahrestagung der DOG 2000

P 697

Vasoproliferative Netzhauttumore und deren unterschiedliche Therapie bei einem monozygoten Zwillingspaar

J. Wachtlin, H. Heimann, C. Jandeck, U. Kellner, M. H. Foerster

Hintergrund: Vasoproliferative Netzhauttumore sind seltene, meist peripher gelegene Tumore. Sie können idiopathisch oder sekundär zu anderen Erkrankungen wie Uveitis oder Retinitis Pigmentosa auftreten. Die Differentialdiagnose ist schwierig und es existieren verschiedene Therapieoptionen.

Material und Methoden: Hier sollen die Fälle eines monozygoten Zwillingsschwesternpaares vorgestellt werden, die sich auf Grund peripherer vasoproliferativer NH Tumore in unserer Klinik in Behandlung befanden.

Fallbeschreibung: Die beiden 58-jährigen Frauen wiesen beide multiple periphere vasoproliferative NH Tumore auf. Sie waren bezüglich Ausdehnung und Lokalisation nahezu identisch im inferioren und nasalen Quadranten auf beiden Augen gelegen. Es zeigten sich neben den Exsudaten jeweils multiple Pigmentepithelhyperplasien, Narben und auf dem jeweils linken Auge eine exsudative Ablatio retinae.

Therapie: Bei einer Schwester wurde auf Grund der ausgedehnten Ablatio und der geringen Prominenz zunächst eine Cerclagelegung und Kryokoagulation des exsudativen Areals durchgeführt, später dann auch eine Pars plana Vitrektomie mit Silikonölinstillation. Bei der Zwillingsschwester wurde ein 4,6 mm prominenter Tumor zweimal mittels Ruthenium-Applikator-Brachytherapie behandelt. Der Verlauf nach den unterschiedlichen Therapien wird anhand von Fundusphotos, sono-graphischen, fluoreszenzangiographischen und elektrophysiologischen Be-funden dargestellt.

Schlußfolgerung: Die differentialdiagnostische Abgrenzung vasoproli-ferativer Tumore ist schwierig. Die beiden vorgestellten Zwillinge zeigen hinsichtlich der Lokalisation der Tumore ein nahezu identisches Bild, was für eine Mutation oder eine hereditäre Genese des Krankheitsbildes sprechen könnte. Die Eltern oder Kinder der Patientinnen waren jedoch nicht betroffen. Die Therapieoptionen müssen im EinzelFall sorgfältig je nach vorliegenden Befunden abgewogen werden.

Augenklinik, Universitätsklinikum Benjamin Franklin, Freie Universität Berlin, Hindenburgdamm 30, D-12200 Berlin



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