98. Jahrestagung der DOG 2000

P 692

Solitäre retinale Metastase bei Mammakarzinom

R. S. Gordes1,3, U. Jänig2, R. Rochels3

Hintergrund: Retinale Metastasen des Mammakarzinoms sind kasuistische Raritäten.

Patientin: Berichtet wird über eine Patientin, die sich mit einer temporalen Netzhautablösung und umschriebener fibrotisch imponierender Veränderung eines Netzhautareals vorstellte. Es wurde eine therapeutische und diagnostische Vitrektomie durchgeführt, bei der wegen der bekannten Anamnese eines Adenokarzinoms der Mamma eine zytopathologische Untersuchung des Glaskörperaspirates und des Retinektomiematerials erfolgte. Zytologisch ließen sich darin keine malignen Zellen nachweisen. Im Rahmen der präoperativen Diagnostik zeigte sich irn Re-Staging keine Metastasierung. Einen Monat postoperativ kam es zu einer erneuten Netzhautablösung mit zelliger Glaskörperinfiltration und subretinaler Strangbildung. Das bei der erneuten Vitrektomie gewonnene Glaskörperpunktat wies zytologisch zellarmes Material ohne Tumorzellen auf, so dass der Befund als PVR- Reaktion gedeutet wurde. Im weiteren Verlauf zeigte sich ein "Hypopyon" und eine schmerzhafte Bulbushypotonie. Wegen der Schmerzhaftigkeit und Funktionslosigkeit erfolgte eine Enukleation. Die Patientin, die während der gesamten Zeit zusätzlich in gynäkokologischer Betreuung stand, verstarb schließlich 7 Monate später an ihrem Tumorleiden.

Histologische Ergebnisse: Die proliferativen Veränderungen erwiesen sich histologisch als Konglomerat aus metastasierten Adenokarzinom-zellen. Immunhistochernisch fanden sich positive Östrogen- und Progesteronmarker .

Schlußfolgerungen: Der hier vorgestellte Fall demonstriert, dass trotz invasiver Nachweismethoden der vermutete Zusammenhang zwischen retinalern Befund und dem bekannten Mammakarzinom der Patientin nicht hergestellt werden konnte. Erst durch die histologische Aufarbeitung des enukleierten Bulbus liess sich die seltene retinale Metastasierung nach-weisen.

1Universitäts-Augenklinik Lübeck, Ratzeburger Allee 160, D - 23538 Lübeck

2Pathologisches Institut der Christian-Albrecht-Universität D - 24105 Kiel

3Universitäts-Augenklinik Kiel, Hegewischstraße 2, D - 24105 Kiel



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