98. Jahrestagung der DOG 2000

P 690

Amelanotischer Aderhauttumor als Manifestation einer Tuberkulose

P. Frank, K.-M. Kreusel, L. Krause

Hintergrund: Amelanotische Aderhauttumore bereiten oft differential-diagnostische Schwierigkeiten. Wir demonstrieren den Fall eines Aderhauttuberkuloms als seltene Differentialdiagnose

Kasuistik: Bei einem 28-jährigen türkischen Patienten, der sich wegen einer akuten einseitigen Visusminderung vorstellte, zeigte sich am linken Auge im Bereich des temporal oberen Gefäßbogens ein unpigmentierter doppelgipfeliger Aderhauttumor mit umgebender Pigmentepithelabhebung bis in die Makula. Der Visus war 0,1.

Der Pat. war seit drei Monaten wegen einer abdominalen Lymphknoten-tuberkulose mit miliarer Generalisation mit einer dreifachen tuberkulostatischen Therapie behandelt worden. Unter dieser Therapie hatte er pulmonale Kavernen, sowie einen sonographisch 8,5 x 8,0 mm großen Aderhauttumor mit einer Prominenz von 3,0 mm ausgebildet. Fluoreszenzangiographisch ließ sich kein tumoreigenes Gefäßsystem nachweisen.

Unter Fortführung der tuberkulostatischen Therapie bildeten sich der Tumor und die Pigmentepithelabhebung langsam zurück und es kam zu einem entsprechenden Visusanstieg. Nach einem Jahr war lediglich noch eine chorioidale Narbe bei vollem Visus nachweisbar.

Schlußfolgerung: Bei unpigmentierten Aderhauttumoren muß auch an das Vorliegen eines Tuberkuloms gedacht werden. Eine schon länger bestehende tuberkulostatische Therapie schließt diese Diagnose nicht aus.

Augenklinik, Universitäts-Klinikum Benjamin Franklin, Freie Universität Berlin, Hindenburgdamm 30, D-12200 Berlin



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