98. Jahrestagung der DOG 2000

K 681

Einfluß von HAART auf die klinische Stabilisierung der CMV-Retinitis bei AIDS-Patienten

I.-C. Folz, S. Kriegelsteiner, C. Rosenkranz, H. O. C. Gümbel, C. Ohrloff

Einleitung: Die CMV-Retinitis galt als häufige, visusbedrohende Komplikation bei AIDS-Patienten. Ziel der vorliegenden Studie war es, den Verlauf der Erkrankung unter einer hochwirksamen, antiretroviralen Therapie (HAART) und den Einfluß der CD4-Helferzellzahl bei Erstdiagnose der CMV-Retinitis zu untersuchen.

Methoden: Bei 31 Patienten (Alter zwischen 30 und 62 Jahren) wurden 54 Augen (mittleren Beobachtungszeit: 45,4 Monaten, mind. 24) ausgewertet. Parameter waren die Art der antiretroviralen Therapie (ART), die CD4-Helferzellzahl bei Erstdiagnose und zum Zeitpunkt eines Rezidivs und der unterschiedliche Verlauf bei Patienten mit CD4-Zahlen über bzw. unter 100/m l bei Erkrankungsbeginn, sowie die Dauer der rezidivfreien Intervalle.

Ergebnisse: Die CMV-Retinitis wurde bei durchschnittlich 31,1 CD4-Zellen/m l (0-180/m l) diagnostiziert. Nur 4 Patienten (7 Augen) hatten mehr als 100 CD4/m l; in dieser Gruppe wurden nach erfolgreicher Therapie keine Rezidive beobachtet (rezidivfreie Zeit: 26-45 Mon., im Mittel 38,3). In der zweiten Gruppe mit weniger als 70 CD4/m l wurden Rezidive bei durchschnittlich 41,6 CD4/m l festgestellt (rezidivfreie Zeit: 42,5 Monate, 26-59). Bei Erstdiagnose hatten 16 Patienten keine ART, 5 eine Mono- und 4 eine Zweifachtherapie. 6 Patienten hatten erst kurz eine Dreifachtherapie begonnen und hatten weiterhin niedrige CD4 (im Mittel 26,8/m l). Unter Dreifachtherapie gab es nur 8 Rezidive (CD4: 2-115/m l).

Diskussion: Diejenigen Patienten mit hohen CD4-Zahlen bei Erstdiagnose der CMV-Retinitis hatten keine Rezidive, und es konnte ein besseres Sehvermögen erhalten werden. Die 2. Gruppe erlitt häufiger Rezidive und Komplikationen wie Netzhautablösungen und Katarakt. Die Patienten haben bis jetzt eine mittlere Überlebenszeit von 45,2 Monaten nach Erstdiagnose (1 Patient verstarb). Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß HAART nicht nur den allgemeinen Gesundheitszustand der Patienten beeinflußt, sondern auch Komplikationen wie die CMV-Retinitis. Die Inzidenz und Rezidivhäufigkeit konnten bei steigenden Helferzellzahlen unter HAART signifikant gesenkt werden, Resultat ist eine wesentlich verbesserte Visusentwicklung.

Augenklinik, Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Theodor-Stern-Kai 7, D-60590 Frankfurt



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