98. Jahrestagung der DOG 2000

K 669

Stellenwert der Hornhautpachymetrie für die Glaukomdiagnostik

B. Roesen, S. J. Fröhlich, Ch. Niederdellmann, S. Ullrich, M. Bechmann

Einleitung: Die Einführung der Applanationstonometrie hat aufgrund der Genauigkeit und der Einfachheit der Messung zu einer schnellen weltweiten Ver-breitung dieser Methode geführt. Grundlage der applanatorischen Augendruck-messung ist, daß nach dem Imbert-Fick’schen Gesetz der Druck innerhalb einer Kugel mit einer unendlich dünnen Membran proportional zu der Kraft ist, die benötigt wird, die Membran abzuplatten. Die Hornhaut besitzt jedoch aufgrund ihrer Struktur und Dicke eine Eigensteifigkeit, welche die Messung des Augen-druckes beeinflusst. Der Entwicklung und Eichung des Goldmann’schen Tonometers war eine Normhornhautdicke von 520 µm zu Grunde gelegt worden. Von dieser Normhornhautdicke abweichende Werte können somit zu Fehlmessungen des Augendruckes führen.

Methoden: Bei 132 konsekutiven gesunden Probanden bzw. Patienten mit okulärer Hypertension (OH), Glaucoma chronicum simplex (GCS) und Glaukom ohne Hochdruck (LTG) wurde neben dem Visus, der Refraktion, dem IOD und dem Papillenbefund auch die Hornhautdicke sonographisch bestimmt. Es wurden drei Messungen je Auge vorgenommen und der Mittelwert berechnet.

Ergebnisse: Die mittlere Hornhautdicke betrug bei gesunden Augen (n=40) 573 µm ± 34 und war somit vergleichbar mit der mittleren Hornhautdicke bei GCS 570 µm ± 39. Bei Augen mit LTG (n=33) zeigte sich ein mittlere Hornhautdicke von 548 µm ± 44; diese unterschied sich signifikant von der Pachymetrie von Augen mit GCS (p£ 0,04). Die Augen mit OH (n=12) hatten mit 627 µm ± 28 gegenüber Gesunden und GCS eine signifikant höhere Hornhautdicke (p£ 0,001).

Diskussion: Obwohl schon erste Studien den intraokularen Druck mittels Vorderkammerpunktion und elektronischer Druckmessung dem applanatorisch gemessenen Druck in vivo gegenübergestellt haben, fehlen bisher noch große Fallzahlen um den Zusammenhang von Hornhautdicke, applanatorischem und intraokularem Druck zu ermitteln. Die Ergebnisse unserer Studie erlauben jedoch eine klinische Einschätzung der Validität der gemessenen Augendruckwerte. Bei Patienten mit okulärer Hypertension, mit Normaldruckglaukom und mit progressivem GesichtsfeldausFall bei reguliertem IOD kann daher die Pachymetrie die Interpretation der Drucklage ergänzen.


Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, Mathildenstr. 8, 80336 München



Zurück