98. Jahrestagung der DOG 2000

R 655

Das kardiovaskuläre Risikoprofil bei der Progression der Glaukomerkrankung

Kremmer, J. M. Selbach, K.-P. Steuhl

In den letzten Jahren hat sich das Verständnis für die Entstehung und Progression des glaukomatösen Sehnervenschadens gewandelt. Es bestehen zunehmend Anhaltspunkte für eine multifaktorielle Pathogenese der glaukomatösen Optikusatrophie, insbesondere vaskuläre Risiko-faktoren haben an Bedeutung gewonnen.

Zahlreiche große Studien haben gezeigt, daß die Glaukomerkrankung eine Assoziation mit systemischen kardiovaskulären und hämatologischen Erkrankungen zeigt wie arterieller Hypotonie und Hypertonie, vasospastischen Syndromen, erhöhter Blutviskosität, Schlaf-Apnoe-Syndrom, Diabetes mellitus etc.

So besteht beispielsweise ein therapeutisches Dilemma, da insbesondere Hypotonie aber auch Hypertonie einen Sehnervenschaden begünstigen können. Bei der Therapie einer arteriellen Hypertonie bei Glaukompatienten ist zu beachten, daß v.a. eine über das physiologische Maß hinausgehende nächtliche Hypotonie (mit kritischem AbFall des okulären Perfusionsdrucks) vermieden werden muss. Dazu halten wir in solchen Fällen eine 24h-Blutdruck-Messung für unerläßlich.

Daraus ergeben sich für Glaukompatienten sowohl diagnostische als auch therapeutische Konsequenzen, die eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit v.a. zwischen Internisten/Allgemeinmedizinern und Ophthalmologen notwendig machen.

Universitäts-Augenklinik Essen, Hufelandstr. 55, 45122 Essen



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