98. Jahrestagung der DOG 2000

P 647

Kataraktentwicklung nach interner Radium-224 Exposition

A. K. Junk, F. H. Stefani, H. Spiess, H. Roos, A. M. Kellerer

Einleitung: Von 1944 bis 1951 ließ ein deutscher Arzt Radium-224-Injektionen zur Therapie von Knochentuberkulose und Morbus Bechterew wiederaufleben. Seine Hypothese, daß die Beimengung von Platin und Eosin zur Anreicherung des Isotops in den Entzündungsherden im Knochen und einer selektiven Bestrahlung führt, fand großzügige Unterstützung einer Versicherungsanstalt. Obwohl experimentelle Studien bald zeigten, daß Radium-224 keine tuberkulostatische Wirkung hat, sondern in knöchernen Wachstumsfugen angereichert zu Minderwuchs und Knochentumoren führt, wurden bis 1952 über 2000 Patienten behandelt. Seit 1956 die erste Katarakt beschrieben wurde, nahm ihre Prävalenz kontinuierlich zu. Mit fortschreitendem Alter der Patienten wurde eine Abgrenzung von strahleninduzierten und senilen Katarakten wichtig.

Patienten und Methoden: Zur objektiven Erfassung und Dokumentation wurde ein mobiles digitales Scheimpflug System verwendet. Zwischen 1993 und 1997 wurden 25 Patienten untersucht, die in einem Alter unter 20 Jahren exponiert wurden, und 4 Patienten, die bei Behandlung 20 Jahre oder älter waren. Die Auswertung der digitalen Scheimpflug Aufnahmen in 5 anatomisch definierten Linsenregionen erzeugte Trübungswerte, die einen Vergleich mit einem Normalkollektiv erlauben.

Ergebnisse: Unterschiedliche klinische Befunde werden in ausgewählten Aufnahmen dargestellt. Variationen in Lage, Trübungsdichte und senile Veränderungen werden illustriert. Verglichen mit der Kontrolgruppe finden sich normale Trübungswerte in vorderer Kapsel, vorderer Rinde und Kern der Patienten. Hintere Rinde und hintere Kapsel weisen jedoch erhöhte Trübungswerte auf, die eine ungewöhnliche Linsentrübung anzeigen.

Diskussion: Unsere Patienten zeigen Linsenveränderungen, die mit strahleninduzieren Katarakten übereinstimmen. Strahlenkatarakte treten klassisch posterior subkapsulär nach einer Latenzzeit auf, deren Dauer umgekehrt proportional zur Dosis ist. Die initiale posterior subkapsuläre Katarakt kann im weiteren Verlauf zu einer dichteren Trübung fortschreiten oder von nachfolgenden Linsenfasern in die hintere Rinde verdrängt werden. Das Wachstum der Linse kann verlangsamt sein, die Linsendicke erscheint reduziert für das Alter des Patienten.

Columbia University, Eye Institute, 630 W 168th St, New York, NY 10032



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