98. Jahrestagung der DOG 2000

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Intraokularlinsen-Kalkulation bei Kataraktoperationen nach photorefraktiver Chirurgie bei hoher Myopie

W. E. Weingärtner, J. Kampmeier, C. W. Spraul, G. K. Lang

Einleitung: Zunehmend werden sich Patienten zur Kataraktoperation vorstellen, bei denen eine photorefraktive Keratektomie (PRK) durchgeführt wurde. Die veränderte Hornhautbrechkraft stellt eine erhebliche Problematik für die Berechnung der Kunstlinsenstärke (IOL) dar. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um hochmyope Augen handelt und präoperative Keratometerwerte (K-Werte) nicht verfügbar sind.

Methoden: Bei zwei Patienten wurde, nach vorausgegangener, extern durchgeführter PRK bei hoher Myopie, eine extrakapsuläre Katarakt-extraktion (Phacoemulsifikation) mit Hinterkammerlinsenimplantation notwendig. Zur IOL-Kalkulation (SRK-II) wurden, bei fehlenden Angaben über die K-Werte vor PRK, die durch automatische Keratometrie gewonnenen K-Werte um 25% reduziert.

Ergebnisse: Das Alter der Patienten betrug 57 bzw. 46 Jahre (eine Frau und ein Mann). Die PRK lag 6 bzw. 4 Jahre zurück. Die Refraktion vor der PRK lag entsprechend den Angaben des externen PRK-Chirurgen im sphärischen Äquivalent durchschnittlich bei –16.0 dpt bzw. –24.5 dpt. Die post-PRK-Refraktion lag im sphärischen Äquivalent bei –5 dpt bzw. –8.5 dpt. Die postoperative Refraktion nach IOL-Implantation lag im sphärischen Äquivalent bei +1.75 dpt bzw. +1.5 dpt. Die Differenz zur kalkulierten Refraktion betrug 2.52 dpt bzw. 1.0 dpt.

Zusammenfassung: Die IOL-Kalkulation für Patienten mit vorausge-gangener refraktiver Chirurgie ist erschwert bei hoher Myopie und fehlen-den K-Werte vor PRK. Bisherige Berechnungsmethoden sind hierfür nicht effizient und müssen modifiziert angewandt werden. Ein hohes Maß an kalkulativer und operativer Erfahrung ist hierfür notwendig. Trotzdem empfiehlt es sich, die Patienten über die Möglichkeit von refraktiven Überraschungen aufzuklären.

Universitäts-Augenklinik Ulm, Prittwitzstraße 43, D – 89075 Ulm



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