98. Jahrestagung der DOG 2000

P 619

Diagnosehäufigkeiten in der Ambulanz der Augenklinik Zürich 1992-1996 – zur Frage von Statistik und Planung im Gesundheitswesen

F.-M. Sens, B. P. Gloor

Einleitung: Auf 1.1.99 haben die Behörden Zürichs um Leistungsaufträge erteilen zu können, eine Diagnosen-Statistik nach ICD-10 obligat erklärt. Um zu beurteilen, inwiefern eine Statistik dazu tauglich ist, wurde die bislang freiwillig nach ICD-9 geführte Statistik aufgearbeitet.

Methoden: Der Statistik liegen die Diagnoseblätter der Patienten der Ambulanz der Jahre 1992-96 zu Grunde, welche im zentralen Rechen-zentrum der Vereinigung der Schweiz. Krankenanstalten (VESKA) ausgewertet worden sind. Es werden Häufigkeiten nach 21 Diagnose-Hauptgruppen und nach Einzeldiagnosen aufgelistet. Die Daten werden daraufhin untersucht, inwieweit sie nutzbar sind: 1. als Hilfsmittel für klinisch-wissenschaftliche Auswertung - was der ursprüngliche Zweck dieser Statistik war -; 2. für die Rechenschaftsablage; 3. für den Vergleich mit anderen Institutionen; 4. für epidemiologische Aussagen und 5. als Werkzeug für Verteilung von Ressourcen.

Ergebnisse: Von 1992-96 wurden in der Ambulanz 76 874 Patienten behandelt und bei diesen 125 010 Diagnosen gestellt. Häufigste Konsultationsgründe waren Konjunktivitis, Verletzungen der Cornea und Katarakt bzw. die Gruppen Linse, Verletzungen und Retina und Glaskörper. Die Statistik nach ICD-9 erlaubte leichte Greifbarkeit von Krankheiten zur klinischen Auswertung, teilweise Rechenschaftsablage und den Vergleich mit anderen Institutionen, aber nur bedingt epidemiologische Erkenntnisse und keine Anhaltspunkte für eine sinnvolle Verteilung der Ressourcen.

Diskussion und Zusammenfassung: Die Statistik nach ICD-10, da von derjenigen nach ICD-9 grundsätzlich nicht verschieden, kann das, was sich die Behörden davon versprechen, nicht bringen. Nachdem die von der Obrigkeit verordnete Statistik zum „Bleistiftstreik" der Assistenz- und Oberärzte mit schweren arbeitsrechtlichen Konsequenzen geführt hat, haben die Behörden die Spezifität der Statistik auf ein solches Minimum reduziert, dass diese nicht einmal mehr die wissenschaftliche Auswertung erlaubt. Merke: Barbara Tuchmann „Die Torheit der Regierenden" !

Augenklinik, Universitätsspital, CH - 8091 Zürich



Zurück