98. Jahrestagung der DOG 2000

P 607

Das Irido-corneo-endotheliale (ICE) Syndrom – eine Kasuistik

K. Genest, G. I. W. Duncker, F. Wilhelm

Die irido-corneo-endothelialen Syndrome sind durch Hornhautödem, Endotheldystrophie, periphere vordere Synechierung, Irisatrophie und Verziehung der Pupille bei normalem oder erhöhtem intraokularen Druck gekennzeichnet. Das Chandler Syndrom tritt in der Regel unilateral auf und ist durch ein besonders ausgeprägtes Hornhautödem charakterisiert. Die Diagnose wird durch mögliche Varianten oft inkorrekt gestellt. Die Therapie besteht in medikamentöser oder chirurgischer Drucksenkung. Bei fortgeschrittenem Hornhautödem ist eine Keratoplastik notwendig.

Kasuistik: Eine 74jährige Patientin mit fortschreitender Visusminderung bei bullöser Keratopathie eines Auges und Sekundärglaukom wurde in unserer Ambulanz vorstellig. Die Spaltlampenuntersuchung zeigte peripher vordere Synechien. Wir führten eine perforierende Keratoplastik mit Hinterkammerlinsenimplantation (triple procedure) durch. Die Hornhauthistologie zeigte eine Epithelabflachung, Stromaödem und vereinzelte pigmentierte Endothelzellen. Der Visus konnte verbessert werden (von csv 1/36 auf sc 0,1). Am Partnerauge wurden eine Cornea guttata, periphere vordere Synechien, eine teilweise abgelöste Schwalbsche Linie mit Synechierung der Iris und Pupillenverziehung festgestellt. Der Augeninnendruck war leicht erhöht. Es wurde die Diagnose Verdacht auf Chandler Syndrom gestellt.

Schlußfolgerung: Jeder Patient mit Hornhautdystrophie, Glaukom und Irisveränderungen sollte einer genaueren Diagnostik einschließlich Gonioskopie und Endothelmikroskopie beider Augen unterzogen werden. Eine möglichst genaue Diagnosestellung ist auch im Hinblick auf die Prognose für das Partnerauge wichtig. Differentialdiagnostisch ist bei bilateralem Befund auch an eine Rieger-Anomalie zu denken. Die Ergebnisse zeigen, daß die Keratoplastik eine effektive Therapiemethode zur Visussteigerung bei Patienten mit Corneaveränderungen im Rahmen eines ICE-Syndroms ist. Dabei bleibt eine regelmäßige Augeninnedruckkontrolle und –einstellung unumgänglich.

Augenklinik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Magdeburger Str. 8, D-06097 Halle/Saale



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