98. Jahrestagung der DOG 2000

K 598

Augenverletzungen durch Zyanoacrylate

J. M. Rohrbach, T.-M. Wohlrab*, T. Schlote

Hintergrund: Zyanoacrylate sind Bestandteil von Sekunden- und Gewebeklebern (z.B. Histoacrylâ ) sowie von verschiedenen Lacken. Durch Unachtsamkeit und schlechtes Sehvermögen (Verwechslung mit Augentropfen) oder kindliche Naivität kann es zur Einbringung in den Bindehautsack kommen. Die dann notwendigen therapeutischen Maßnahmen sind zum Teil noch Gegenstand der Diskussion.

Patienten:
Es wurden 4 Patienten mit einer Alteration der Augenoberfläche durch Zyanoacrylate beobachtet. Zwei Patienten waren männlichen, zwei weiblichen Geschlechts, das Alter lag zwischen 12 und 47 Jahren. Die Verletzung wurde bei 3 Patienten durch Sekundenkleber und bei einem Neuroradiologen durch Gewebekleber (Histoacrylâ ) hervorgerufen. Alle Patienten verspürten akut ein starkes Brennen und erlitten einen mäßigen bis starken Visusverlust. Die Behandlung bestand in einer vorsichtigen Spülung, auf mechanische Manipulationen wurde soweit wie möglich verzichtet. Bei allen Patienten kam es innerhalb von 24 Stunden nach der Verletzung zu einer spontanen Ablösung des Klebstoffs. Die entstandene toxische Konjunktivitis und die Hornhauterosion bildeten sich innerhalb weniger Tage unter medikamentöser Therapie zurück. Dauerhafte Funktionsverluste waren nicht zu verzeichnen.

Schlußfolgerungen:
Zyanoacrylate führen in der Regel nur zu einer milden Verätzung der Augenoberfläche. Das oft dramatische klinische Bild kontrastiert damit deutlich zur üblicherweise günstigen Prognose. Angesichts der in der Regel problemlosen, spontanen Ablösung erscheinen stärkere mechanische Manipulationen oder die Anwendung von Lösungsmitteln zur Klebstoffentfernung eher kontraproduktiv.


Augenklinik, Abteilung I, Eberhard-Karls-Universität, Schleichstr. 12, D-72076 Tübingen*; Augenklinik der Vogtland-Klinikum Plauen GmbH, Weisestr.8, D-08523 Plauen/Vogtl.



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