98. Jahrestagung der DOG 2000

K 559

Ergebnisse von Kopfzwangshaltungsoperationen nach dem Prinzip der Bulbusumlagerung (Kestenbaum) und der artifiziellen Divergenz (Cüppers)

M. Gräf, K. Droutsas, S. Stuckenbrok, H. Kaufmann

Einleitung: Zur operativen Korrektur nystagmusbedingter Kopfzwangshaltungen (KZH) stehen die umlagernden Verfahren nach Anderson, Goto und Kestenbaum und das Konzept der artifiziellen Divergenz nach Cüppers zur Verfügung. Wir haben retrospektiv die Ergebnisse von KZH-Operationen nach dem Kestenbaum- und dem Cüppersprinzip untersucht.

Methoden: Es wurden nur Patienten mit einer horizontalen KZH ausgewertet. Ausschlusskriterien: vorangegangene Augenmuskeloperation, Strabismus, fehlendes Binokularsehen, cerebrale Erkrankungen. Erfasst wurden die Operationsdosis und der prä- und 3-6 Monate postoperative Befund (binokulare KZH bei Fern- (5 m) und Nahfixation (0,3 m), binokularer Fern-Visus). Die Patienten wurden 3 Gruppen zugeordnet: Gruppe 1: Kestenbaum (Dosisdifferenz zwischen beiden Augen £ 3 mm), Gruppe 2: artifizielle Divergenz, Gruppe 3: Kestenbaum kombiniert mit artifizieller Divergenz (Dosisdifferenz >3 mm).

Ergebnisse: 44 der 68 Patienten wiesen eine Kopflinksdrehung auf. Dies war statistisch auffällig (p=0,01). 40 Patienten waren männlich. Gruppe 1 (n=30): Alter bei Operation (jeweils Median, 10%- und 90%-Quantil) 7 Jahre (4;32), Operations-dosis (Gesamtstrecke): 30 mm (20;40), präoperative KZH 30° (20;43), postoperative (n=27) KZH 10° (0;30), Reduktion der KZH um 67% (25;100), Effektivität der Operation 0,8°/mm (0,3;1,3), 2 Reoperationen. Gruppe 2 (n=25): Alter 13 Jahre (7;47), Operationsdosis: 10 mm (6;12), präoperative KZH 20° (15;35), postoperative (n=22) KZH 6° (-5;25). Reduktion der KZH um 59% (25;100), Effektivität 1,5°/mm (0,5:3,1), 6 Reoperationen. Gruppe 3 (n=13): Alter 8 Jahre (7;35), Operationsdosis: 28 mm (21;34), präoperative KZH 30° (30;40), postoperative KZH 10° (-5;15), Reduktion der KZH um 67% (50;117), Effektivität 0,9°/mm (0,5;1,6), keine Reoperation. Ein statistisch signifikanter (p=0,039) Anstieg des binokularen, in KZH gemessenen Visus ergab sich nur in Gruppe 3 (8 Patienten, 1 Stufe).

Diskussion: Das Wirkungs/Dosis-Verhältnis der Kestenbaumoperationen entsprach im Median demjenigen kombinierter Schieloperationen. In Einzelfällen war der Operationseffekt gering. Ursächlich sind physiologische und messtechnische Ursachen zu diskutieren.

Augenklinik für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie, Justus-Liebig-Universität, Friedrichstrasse 18, D – 35385 Gießen



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