98. Jahrestagung der DOG 2000

P 549

Wirkung und Risiko der operativen Behandlung intermittierender Exotropie im Kindesalter

M. Gräf, D. Rost, H. Kaufmann

Einleitung: Die intermittierende Exotropie ist die häufigste Indikation zu Divergenzoperationen im Kindesalter. Eine konsekutive Esotropie kann das Binokularsehen beeinträchtigen. Diesem Risiko wurde in einer retrospektiven Studie nachgegangen. Ausserdem wurde die Dosis-Wirkungsbeziehung der kombinierten Divergenzoperation untersucht.

Methoden: Von 1991 bis 1999 wurden an Kindern im Alter bis 10 Jahren 120 kombinierte Divergenzoperationen (<2% aller Eingriffe) wegen inter-mittierender Exotropie durchgeführt. Die in Zykloplegie gemessene Refraktion war abzüglich 0,5 D sph korrigiert. Präoperativ erfolgte eine dreitägige diagnostische Okklusion. Die Eingriffe wurden nach den eigenen Tabellen dosiert, denen Operationseffekte nach 1 Woche zugrundeliegen. Es wurden die prä- und 3 Monate postoperativ (104 Patienten erschienen zur 3-Monatskontrolle) im alternierenden Prismenabdecktest gemessenen Schielwinkel bei Fern- (5 m) und Nahfixation (0.3 m) und die im Bagolini-, Titmus-, Randot-, TNO- oder Lang-Test festgestellten Binokularfunktionen ausgewertet.

Ergebnisse: (Mediane) Schielwinkel in Primärposition: präoperativ: Ferne -15°, Nähe -16°; postoperativ (n=104): Ferne -4°, Nähe -3°. Effektivität der Operation: Ferne: 1,3°/mm, Nähe 1,4°/mm. Korrekturbedürftige konseku-tive Esotropie: 1 Kind. Zweitoperationen wegen erneuter Exotropie: 5 Kin-der. Binokularsehen (n=95): Prä- und postoperativ gleiche Aufzeichnungen 61%, postoperativ bessere bzw. schlechtere Aufzeichnung 21% bzw. 18%. Die diagnostische Okklusion war zur Differenzierung des Pseudodivergenzexzesses von einem tatsächlichen Vergenzexzess hilfreich, ergab aber im Mittel keine größeren Schielwinkel. Die Effektivität der Operation (°/mm) war in der untersuchten Gruppe geringer als in einer Vergleichsgruppe von Patienten im Alter über 10 Jahre mit intermittierender Exotropie.

Diskussion: Bei Anwendung der eigenen Dosierungstabellen und Operationstechnik sind divergente Restschielwinkel nach kombinierter Divergenzoperation im Kindesalter die Regel. Eine konsekutive Esotropie oder eine bleibende Beeinträchtigung der Binokularfunktionen durch die Operation sind nicht zu befürchten.

Augenklinik für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie, Justus-Liebig-Universität, Friedrichstrasse 18, D – 35385 Giessen



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