98. Jahrestagung der DOG 2000

K 546

Beiderseitige Abducensparese als Erstsymptom einer Sinus-Venen-Thrombose

M. Lang¹, J. Schmidbauer¹, M. Voges², B. Käsmann-Kellner¹, B. Heinemann-Vernaleken¹

Einleitung: Thrombosen der venösen Sinus sind seltene intrazerebrale Komplikationen der Mastoiditis. Wir berichten über die ophthalmologische klinische Symptomatik dieser sekundären Erkrankung.

Patient und Methode: Anamnese: Ein 14 jähriges Mädchen stellte sich wegen seit einer Woche bestehender Doppelbilder in unserer Sehschule vor. Eine neurologische Abklärung inklusive Lumbalpunktion an einer externen Klinik habe keinen pathologischen Befund erbracht, insbesondere keinen Anhalt für eine Meningitis. Vor zwei Wochen sei eine Otitis media links diagnostiziert und worden, die sich unter antibiotischer Therapie jedoch gebessert habe. Befund: Die Sehschärfe betrug beidseits mit Korrektion 1.0. Orthoptisch bestand eine Esotropie von C 6° mit homonymer Diplopie, beidseitige Abduktionseinschränkung mit zusätzlicher horizontaler Blickparese. Die Ophthalmoskopie zeigte eine beiderseitige Stauungspapille. Bei der Kernspintomographie mit Kernspinangiographie fand sich eine persistierende Otitis media mit Mastoiditis sowie eine Thrombose der Sinus sigmoideus und -transversus. Therapie: Nach Mastoidektomie, hochdosierter Antibiose, „full-dose"-Heparinisierung besserte sich der Befund deutlich.

Schlußfolgerung: Eine Thrombophlebitis des Sinus sigmoideus nach Knochenarrosion bei Mastoiditis ist eine seltene, aber ernste Komplikation einer Otitis media, die einer sofortigen chirurgischen und antibiotischen Therapie bedarf. Die Symptomatik kann auch erst im Intervall nach vermeintlich abgeheilter Grunderkrankung auftreten. 
 

¹Augenklinik, ²Abteilung für Neuroradiologie, Universität des Saarlandes, Kirrbergerstr. 1, D - 66424 Homburg/Saar



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