98. Jahrestagung der DOG 2000

P 530

Amblyopieprophylaxe im Landkreis Nienburg/Weser

G. Freitag, S. Peukert, W. Kesper, K.-C. Schipper

Hintergrund: Im Zeitraum Dezember 1998 bis Februar 2000 wurde eine orthoptische Reihenuntersuchung in den Kindergärten des Landkreises Nienburg bei 1077 zwei- bis sechsjährigen Kindern durchgeführt.

Ziel war das frühzeitige Erkennen von Amblyopien sowie Strabismus und Refraktionsanomalien.

Methoden: Für das Screening wurden folgende standardisierte Untersuch-ungen von einer Orthoptistin durchgeführt: 1. orthoptischer Status (Cover-Test, Motilitäts- und Konvergenzprüfung, Prüfung der Binokularfunktionen: Lang-Test, TNO-Test) 2. monokulare Visusprüfung (je nach Alter mit LH-Test oder E-Haken) 3. Skiaskopie in Miosis zur Diagnostik höherer Refraktionsanomalien 4. Anamnese (familiäre Vorbelastung, Beschwer-den).

Ergebnisse: Von 1077 untersuchten Kindern waren 74 (6,9 %) in ophthal-mologischer Behandlung (Brille, Amblyopietherapie). Bei 668 Kindern (62%) waren unsere Befunde unauffällig. Als Normalbefund wurde ein

seitengleicher Visus ³ 0.9, ein unauffälliger Stellungs- und Motilitätsbefund sowie volle Stereopsis festgelegt. Insgesamt waren 409 Kinder(38%) auffällig, davon 276 mit reduziertem Visus. 101 Kinder (9,4%) zeigten Visusdifferenzen, ohne das eine Amblyopie vorlag. Bei 140 Kindern (13%) fiel eine beidseitige Visusreduktion auf. Eine Amblyopie wurde bei 35 Kindern (3,3%) diagnostiziert, davon waren 10 Kinder unbehandelt. Binokularstörungen wie Strabismus, Motilitätsstörungen oder Nystagmus hatten 109 Kinder (10,1%). Bei 24 Kindern(2,2%) war eine Beurteilung aufgrund mangelnder Compliance nicht möglich.

Schlussfolgerung: Es wurden 35 Amblyopien(3,3%) diagnostiziert im Gegensatz zu einer Prävalenz von 5-6% (W. Haase). Dies spricht unseres Er-achtens für eine gute Kooperation zwischen Kinderärzten und Ophthalmo-logen zur Prophylaxe und Früherfassung von Ambylopien und entsprech-ender Risikofaktoren. Insgesamt zeigten 38 % aller untersuchten Kinder auffällige, kontrollbedürftige Befunde. Wir halten eine flächendeckende An-wendung dieses orthoptischen Screenings für sinnvoll. Aus diesem Grund wurde der Verein zur Förderung der Früherkennung von Fehlern des visu-ellen Systems im Vorschulalter e.V. gegründet.

Lange Str. 61, D - 31582 Nienburg



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