98. Jahrestagung der DOG 2000

V 527

Stereosehschärfe: Psychometrische Schwellenbestimmung

C. Schmitt, M. Ball, M. Bach, G. Kommerell

Hintergrund: Herkömmliche Methoden der Stereosehschärfebestim-mung haben einen oder mehrere der folgenden Mängel: Die Zahl der Sehzeichen pro Stufe ist gering, die Schwelle wird nicht systematisch eingegabelt, und die Stereosehschärfe lässt sich nicht sicher von der monokularen Positions-Übersehschärfe unterscheiden (Beispiel „Ringe" im Titmus-Test). Zur Behebung dieser Mängel wird ein rechnergestütz-tes Verfahren vorgestellt.

Methoden: Auf einem Computer-Bildschirm wird eine Stereofigur durch Phasentrennung haploskopisch dargestellt. Die Figur besteht aus einem senkrechten Balken, der „vor" oder „hinter" einem Rahmen stehen kann. Der Proband muss durch Tastendruck anzeigen, welche der beiden Möglichkeiten zutrifft. Die Stereodisparität ist logarithmisch abgestuft. Die Schwelle wird nach „Best Pest" bestimmt. Dieser Algorithmus sucht aufgrund aller vorangegangenen Antworten für jede neue Darbietung der Stereofigur die als Schwelle wahrscheinlichste Stereodisparität aus. Es werden 100 Antworten ausgewertet. Die Balken- und Rahmenbreite wird proportional zur Stereodisparität verändert. Der Einsatz von „Anti-Aliasing" erlaubt die Darbietung feiner Disparitäten unabhängig vom Pixelraster. Damit die Aufgabe nicht monokular lösbar ist, wird der Balken bei jeder neuen Darbietung zufällig verschoben.

Ergebnis und Schlussfolgerung: Das beschriebene Verfahren vermeidet die Mängel herkömmlicher Stereotests. Es ist weitgehend untersucherunabhängig und eignet sich daher zur Überprüfung von Behandlungsmethoden, von denen angenommen wird, dass sie die Stereosehschärfe verbessern.

Abt. Neuroophthalmologie und Schielbehandlung, Universitäts-Augenklinik, Killianstr. 5, D-79106 Freiburg



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