98. Jahrestagung der DOG 2000

P 524

Orbitale Primärmanifestation einer akuten Leukämie im Kindesalter

M. Jäger, K.-H. Emmerich, G. Lindemann

Kasuistik: Ein 4 Jahre altes Kind wurde in unserer Klinik mit einer seit
3 Wochen zunehmenden schmerzlosen Schwellung in der rechten oberen Orbita notfallmäßig wegen akut aufgetretener Doppelbilder vorgestellt. Anamnestisch bestand seit einer Woche ein fieberhafter Infekt mit Diarrhoe.

Diagnostik: In der B-Bild-Echographie stellte sich bei 12 Uhr eine vom Bulbus und der Tränendrüse gut abgrenzbare Raumforderung dar. Der zirka 16 mm große glatt begrenzte Tumor wies eine relativ homogene Binnenstruktur auf. In der Kernspintomographie reicherte der Tumor Kontrastmittel an, das Verteilungsmuster war jedoch für ein Rhabdomyosarkom untypisch. Die durchgeführten Blutuntersuchungen zeigten eine Anämie und Thrombozytopenie, aber keine Leukozytose. Eine stark erhöhte Laktatdehydrogenase erhärtete den Verdacht auf das Vorliegen eines malignen Prozesses mit hoher ZellzerFallsrate. Im Differentialblutbild fand sich ein Anteil von 50% Blasten, womit die Diagnose einer akuten myeloischen Leukämie gestellt werden konnte.

Ergebnisse: Bei der aufgetretenen orbitalen Raumforderung handelte es sich um die Primärmanifestation einer akuten Leukämie. Nach Diagnosestellung wurde die entsprechende Chemotherapie von einem Onkologischen Zentrum eingeleitet. Ungefähr eine Woche nach Beginn der Chemotherapie bildete sich die Schwellung vollständig zurück.

Schlussfolgerung: Leukämien sind die häufigsten malignen Erkrankungen im Kindesalter. Primärmanifestationen im Orbitabereich sind selten und können einer systemischen Erkrankung bis zu 15 Monaten vorausgehen. Eine rasche Diagnosefindung ist wichtig, damit die Chemotherapie zu dem frühestmöglichen Zeitpunkt der Erkrankung einsetzen kann.

Augenklinik, Klinikum Darmstadt, Heidelberger Landstr.379, D-64297 Darmstadt


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