98. Jahrestagung der DOG 2000

P 522

Exophthalmus als Erstsymptom eines metastasierenden Ileum-Karzinoids

B. Heinemann-Vernaleken1, J. Schmidbauer1, M. Lang1, C. Moser2

Einleitung: Karzinoide sind epitheliale Tumoren ausgehend von den enterochromaffinen Zellen des APUD-Systems. Die typische Symptomen-Trias aus "Flush", Diarrhö und kardialen Beschwerden ist wegweisend, muß aber nicht immer vollständig vorhanden sein. Bei unserem Patienten führte die Abklärung eines Exophthalmus zur Diagnose.

Patient und Methodik: Anamnese: Ein 39jähriger Patient stellte sich wegen einer konjunktivalen Rötung am rechten Auges vor, die seit eineinhalb Jahren bestand.

Befund: Es fand sich bei der klinischen Untersuchung eine Protrusio bulbi rechts mehr als links. Die Kernspintomographie zeigte umschriebene Raumforderungen im Musculus rectus inferior beidseits. Die daraufhin durchgeführte ausführliche internistische Abklärung erbrachte den Nachweis eines gut differenzierten, Somatistatin-Rezeptor positiven Karzinoids mit Primärtumor im oberen Ileum und Metastasen in der Leber, der Orbita und in mesenterialen Lymphknoten.

Therapie: Nach einer Vorbehandlung mit Somatostatin zur Vermeidung eines Carcinoidsyndroms erfolgte eine explorative Laparotomie. Eine Chemo- und Kryotherapie schloß sich daran an.

Schlußfolgerung: Als mögliche Ursache eines Exophthalmus mit Muskelverdickung müssen neben klassischen Krankheitsbildern wie der Thyroidea assoziierten Orbitopathie auch Metastasen in Betracht gezogen werden. Die Abklärung erbrachte bei diesem Patienten eine schwere internistische Erkrankung, die nur durch das singuläre Symptom eines Exophthalmus auffiel.

1Augenklinik, 2Medizinische Klinik II, Universität des Saarlandes, Kirrbergerstr.1, D - 66421 Homburg/Saar



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