98. Jahrestagung der DOG 2000

V 521

Computergestütztes Augenbewegungstraining bei homonymer Hemianopsie nach Posteriorinfarkt

J. Esser*, G. Nelles**, A. Tiede**, A. Eckstein*, K. P.Steuhl*, H. Gerhard**:

Ziel: Prüfung der Hypothese, ob bei persistierender homonymer Hemi-anopsie eine Trainingsbehandlung von Augenbewegungen zu einer besseren Adaptation an den GesichtsfeldausFall führt.

Methoden: 21 Gesunde und 17 Patienten (mittleres Alter 60; 6 Frauen) mit homonymer Hemianopsie (8 nach links, 9 nach rechts): initial getestet: An- zahl der Fehlreaktionen (FR) und der Reaktionszeit (RZ) auf punktförmige Lichtreize in beiden Gesichtsfeldhälften. Test A (statisch): Kopf fixiert: Re-aktion auf zufällig verteilte Lichtpunkte bei Geradeausfixation des Mittel-punktes des Trainingsschirms (44° x 90°; 40 Lichtpunkte). Test B (dyna-misch): wie A, aber mit suchenden Blickbewegungen. Danach wurde bei den 17 Pat. ein computerunterstütztes Augenbewegungstraining (CAT) für 4 Wo. (5 Tg./Wo.) durchgeführt: Absuchen des Schirms nach bestimmten Stimulus-Mustern mit Augen-, aber ohne Kopfbewegungen; Anpassung der Darbietungszeit an den Trainingserfolg. Nach Abschluss des Trainings: Messung der Anzahl der FR und der RZ; Selbsteinschätzung auf einer für Gesichtsfeldausfälle spezifischen, standardisierten Skala von 10 Verrichtungen des täglichen Lebens (activities of daily living, ADL).

Ergebnisse: Gesunde, Test A: Die RZ (Median) auf Stimuli des rechten bzw. des linken Halbfelds: nicht unterschiedlich (423 vs 427 ms). Test B: RZ in die rechte Gesichtsfeldhälfte kürzer im Vergleich zur linken (951 vs 1054 ms, p<0,001). Keine FR beobachtet. Hemianopsie nach links: Test A: Trainingseffekt in Richtung des betroffenen Halbfelds: Ähnliche Anzahl von FR (vorher:28,5 vs nachher:30,5;Median) und RZ-Verlängerungen (vorher: 1022 vs nachher:1062 ms); Test B: weniger FR (20,0 vs 14,0; p<0,02) und eine Verbesserung der RZ (3000 vs1754 ms; p<0,02). Hemianopsie nach rechts: Test A: Verringerungen der FR (30.0 vs 23.0; p<0,02); Trend zu schnelleren RZ (1196 vs 964; n.s.). Test B: FR (18.0 vs 13.0; p<0.02) und RZ (1466 vs 1167 ms; p<0,05) besser. Alle Patienten: ADL-score signifi-kant gebessert. Ausmaß der Hemianopsie vor und nach CAT: unverändert.

Diskussion: CAT bessert Lichtreiz-Wahrnehmung und Reaktionszeit von Augenbewegungen in Richtung der Hemianopsie sowie die ADL-Leistung.

*Univ.-Augenklinik & ** Neurolog. Therapiezentrum (NETZ) D-45122 Essen



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