98. Jahrestagung der DOG 2000

S 472

Stellenwert von HLA-Klasse II-Antigenen bei Risikokeratoplastiken

B. Nölle, N. Zavazava, E. Westphal, S. Jenisch, G. I. W. Duncker
und Kiel-Kornea-Transplantationsgruppe

Hintergrund: Das immunologische Privileg der Hornhaut und Augenvorderkammer ist bei Risikokeratoplastiken nicht mehr vorhanden. Es liegt daher nahe in solchen Situationen anzunehmen, daß alle HLA- Antigene bei Abstossungen von allogenen Kornea-Transplantaten eine Rolle spielen. Zahlreiche Studien belegen dies für HLA-Klasse I-Antigene, für HLA-Klasse II-Antigene gibt es bislang widersprüchliche Behauptungen, aber keinen eindeutigen, allgemein akzeptierten Beleg.

Studiendesign: In Zusammenarbeit mit EUROTRANSPLANT / Bio Implant Services, Leiden (NL), der Deutschen Stiftung Organtransplantation und dem hiesigen Klinikum läuft seit dem 1.10.1993 eine multizentrische, prospektive, randomisierte, Doppelblind-Studie zur Bestimmung der Wertigkeit von HLA-Klasse II-Antigenen bei Risikokeratoplastiken unter Berücksichtigung der Präsensibilisierung. Kernpunkte dieser Studie sind eine Typisierung von HLA-Klasse II-Antigenen mit der sehr exakten PCR-Methode in nur zwei Laboratorien, Transplantatdurchmesser von 7 bis 8 mm, ein Verzicht auf systemische Immunsuppressiva, ein festgelegtes Therapieschema und regelmäßige Nachkontrollen über mindestens 3 Jahre. Kalkuliert sind bei einer Power von 0.8, einem Signifikanzniveau von 0.05, einer Abstossungsdifferenz von 10% und einer AusFallquote von 20% 300 Keratoplastiken mit optimaler HLA-Klasse I-Antigenkompatibilität und zufälliger HLA-Klasse II-Antigenkompatibilität als Kontrollgruppe, sie werden mit 300 Keratoplastiken verglichen, die optimal für HLA- Klasse I- und II-Antigene gematcht sind.

Ergebnisse: Die Studie ist noch nicht abgeschlossen, daher fehlen abschliessende Ergebnisse. Bislang sind 400 Keratoplastiken randomisiert durchgeführt worden. Beteiligt sind bisher 30 Kliniken in Deutschland.

Diskussion: Der Stellenwert von HLA-Klasse II-Antigenen bei der allogenen Risikokeratoplastik sollte nach Abschluß dieser Studie ab-schätzbar sein.

Universitäts-Augenklinik und Institut für Immunologie, Hegewischstr. 2, D-24105 Kiel



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