98. Jahrestagung der DOG 2000

V 45

Klinische Erfahrungen mit Hornhauttransplantaten von septischen Spendern

H. Spelsberg, U. Sengler

Hintergrund: Hornhäute von septischen Spendern werden bislang meist nicht zur Transplantation akzeptiert, da die Gefahr einer postoperativen Endophthalmitis seit den Zeiten der Kurzzeitkultur gefürchtet wird. Es existieren jedoch keine Daten über den klinischen Verlauf von Keratoplastiken mit in Organkultur konservierten kornealen Transplantaten von septischen Spendern.

Methoden: Von 4/95 bis 11/98 wurden 182 Hornhäute von septischen Spendern 10-14 Tage in Organkultur konserviert. Die Evaluation erfolgte nach den Kriterien der Europäischen Hornhautbankenvereinigung. 56 Patienten, die ein solches Transplantat erhalten hatten, wurden retrospektiv hinsichtlich des Transplantatüberlebens und des Auftretens einer Endophthalmitis oder von Immunreaktionen untersucht. 34mal lag eine Normal- (61%) und 22mal eine Hochrisikosituation (39%) vor. Die Nachbeobachtungszeit betrug mindestens 12 Monate.

Ergebnisse: 91 der 182 Transplantate (50%) von septischen Spendern wurden hauptsächlich wegen Endothelschäden (67%) und Mediumkontaminationen (8%) verworfen. Bei einer niedrigeren Verwerfungsrate im gleichen Zeitraum bei nicht-septischen Spendern (452/1261 Transplantate, 36%) waren die Hauptverwerfungsgründe diesselben (Endothelschäden 58%, Kontaminationen 11%). Hinsichtlich der Mediumkontamination bestand kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen. Kein Patient mit einem Hornhauttransplantat von einem septischen Spender erlitt eine Endophthalmitis. Nach mindestens 12 Monaten Nachbeobachtungszeit lag der Anteil der Transplantate mit Immunreaktionen oder Transplantatversagen im Vergleich zu nicht-septischen Spendern im gleichen Bereich.

Diskussion: Unter der Voraussetzung einer kritischen Transplantatbeurteilung sowie mikrobiologischer Mediumkontrollen besteht kein Grund, Hornhäute von septischen Spendern zurückzuweisen.

LIONS Hornhautbank NRW an der Augenklinik, Heinrich-Heine-Universität, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf



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