98. Jahrestagung der DOG 2000

R 438

Tiermodelle in der Ophthalmogenetik: Möglichkeiten und Grenzen

E. Zrenner, G. Jaissle, M. Seeliger

Die Erforschung erblicher Augenerkrankungen ist durch die Verfügbarkeit genetisch veränderter Tiermodelle mit zum Menschen homologen Defekten deutlich vorangebracht worden. Die Hauptvorteile im Hinblick auf das Verständnis der pathophysiologischen Prozesse sind 1) der rapide Krankheitsverlauf insbesondere bei langsamen humanen Erkrankungen 2) der definierte Genotyp und Hintergrund, wodurch auch geringere Krankheits- oder Therapieeffekte statistische Relevanz erlangen 3) die Möglichkeit, zu jedem Zeitpunkt funktionelle, biochemische und morphologische Aspekte erfassen zu können 4) die detaillierte Beurteilung von therapeutischen Strategien. Um das volle Potential dieser Modelle nutzen zu können, werden speziell abgestimmte Techniken zur Untersuchung von Funktion und Morphologie benötigt. Derartige Methoden sind die Elektroretinographie (ERG), die konventionelle und Scanning-laser-Ophthalmoskopie, die Histologie und assoziierte Methoden, und biochemische Tests. Es gibt sicherlich auch Grenzen für den Einsatz von Tiermodellen bei der Erforschung menschlicher Erkrankungen; so ist zum Beispiel die Struktur und Funktion von Nagetier-Augen anders (z.B. existiert keine Makula), und die Expression von Genen ist möglicherweise ebenFalls unterschiedlich. Andererseits sind nur wenige Modelle ophthalmologischer Erkrankungen bei höheren Säugetieren bekannt, und bei diesen treffen dann wieder einige der obigen Vorteile nicht mehr zu. Die Möglichkeiten und Grenzen werden hier am Beispiel mehrerer Mausmodelle für erbliche Netzhauterkrankungen demonstriert.

Universitäts-Augenklinik, Abt. II, Schleichstr. 12-16, D-72076 Tübingen

Gefördert durch die DFG (SFB 430, TP C2), und fortüne-Programm # 517



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