98. Jahrestagung der DOG 2000

R 435

Neue Ansätze zur Erforschung der genetischen Faktoren bei monogenen und komplexen Retinopathien

H. Stöhr, A. Gehrig, N. Mah, H. Schulz, B. H. F. Weber

Mit Hilfe molekulargenetischer Ansätze konnten in den vergangenen Jah-ren mehr als 45 Krankheitsgene für erbliche Netzhautdystrophien kloniert werden. Trotzdem bleibt die vollständige Aufklärung der geschätzten 200 distinkten Formen von Retinopathien eine große Herausforderung für die opthalmogenetische Forschung. Dies gilt vor allem für Erkrankungen, die den traditionellen, genetischen Ansätzen unzugänglich sind, insbesondere Fälle ohne eine Familiengeschichte sowie solche mit komplexer Vererbung, wie z. B. der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). AMD ist eine multifaktorielle Erkrankung, die sowohl durch Umwelteinflüsse als auch durch genetische Faktoren verursacht wird. Bisher beschränkte sich die Strategie zur Isolierung von prädisponierenden Genen für AMD auf die Mutationsanalyse von Genen, die bekanntermaßen erbliche Retinopathien mit Ähnlichkeiten zum AMD Phänotyp hervorrufen. Bis heute konnte jedoch noch keine wesentliche genetische Komponente identifiziert werden.

Im allgemeinen stellt jedes Gen, das im Retina/RPE Komplex exprimiert wird, einen Kandidaten für menschliche Retinopathien dar. Um eine große Anzahl an Kandidatengenen zu erhalten, planen wir kurze, exprimierte Se-quenzen (ESTs), die von Klonen retinaler cDNA Banken stammen, syste-matisch zu analysieren. Dieser Ansatz basiert auf in silico Expressions-profilen von EST Gruppen, die ein bestimmtes Gen repräsentieren. Diese Gruppen werden auf das Vorkommen retinaler ESTs untersucht wobei solche, die einen hohen Anteil an ESTs aus retinalen cDNA Banken auf-weisen, für die Expressionsanalyse durch RT-PCR und Northern Blot aus-gewählt werden. In einem alternativen Ansatz isolieren wir reine RPE Zellen und verwenden diese als Ausgangsmaterial für die Konstruktion einer RPE angereicherten cDNA Bank durch subtraktive Hybridisierung. Die Analyse von zufällig ausgewählten Klonen wird die Identifizierung von RPE-spezifischen Genen ermöglichen. Alle neuen Gene, die bevorzugt im Retina/RPE Komplex exprimiert werden, werden auf eine mögliche Assoziation mit AMD untersucht.

Institut für Humangenetik, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Am Hubland, D-97074 Würzburg


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