98. Jahrestagung der DOG 2000

V 43

Spülung bei Verätzung - Wirkung unterschiedlicher Osmolaritäten auf intracameralen pH, Hornhautquellung und – osmolarität

S. Kompa, H. Wüstemeyer, C. Neitzel, N. Schrage

Einleitung: Augenspüllösungen sind im Vergleich zur gesunden Hornhaut meist isotonisch (0.4 Osmol/kg). Leitungswasser ist mit 0 Osmol/kg stark hypoosmolar, andere Substanzen wie Previn®(Prevor) sind hyperosmolar (0.8 Osmol/kg). In dieser Studie wurde die Wirkung unterschiedlich osmolarer Spüllösungen ohne Puffereigenschaften untersucht.

Methoden: Es wurden 96 Schweineaugen ex vivo und 8 Kaninchenaugen in vivo behandelt. Als Spüllösungen dienten Wasser und NaCl-Lösungen mit 0.4, 0.8 und 1.2 Osmol/kg. Alle Augen wurden mit 2N (ex vivo) bzw. 4N (in vivo) NaOH 60 s lang verätzt und anschließend 5 min lang gespült. Bei 72 Schweineaugen wurde nach Verätzung und während der Spülung die Hornhautdicke pachymetrisch ermittelt. Danach wurden die Hornhäute exzidiert und ihre Osmolaritäten bestimmt. Bei 24 Schweineaugen wurde in der Vorderkammer der intracamerale pH-Wert während und nach Spülung bis zur Einstellung eines konstanten Wertes gemessen. Um in vivo den intracameralen pH am verätzten Kaninchenauge zu untersuchen, wurde der pH-Wert 3h nach der Verätzung und Spülung mit Wasser bzw. NaCl 0.9% (0.3 Osmol/kg) dokumentiert.

Ergebnis: Es besteht eine umgekehrt proportionale Beziehung zwischen der Osmolarität der Spüllösung und der Quellung der Cornea (1). Die Osmolarität der Spüllösung ist proportional zur Corneaosmolarität (2, ex vivo) und zum intracameralen pH-Peak (3, in vivo).

  0 Osmol/kg 0.4 Osmol/kg 0.8 Osmol/kg 1.2 Osmol/kg
1)Quellung 29.1% ± 7.0 18.0% ± 14.0 11.5% ± 3.9 7.6% ± 1.9
2)Osmol/kg 0.29 ± 0.04 0.41 ± 0.11 0.78 ± 0.21 0.91 ± 0.19
3)pH-Peak

Wasser O Osmol/kg: 10.2±0.2; NaCl 0.3Osmol/kg: 10.9±0.2

Diskussion: Niedrige Osmolaritäten bewirken durch Quellung der Cornea eine vergrößerte Diffusionsbarriere und dadurch einen niedrigeren Kammer-pH. Durch die Verdünnung des Agens wird in der Cornea eine physiologische Tonizität erreicht. Lösungen ohne Pufferkapazität sollten möglichst hypoosmolar sein. Wasser ist NaCl 0.9% vorzuziehen.

Augenklinik, RWTH Aachen, Pauwelsstr. 30, D-52057 Aachen



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