98. Jahrestagung der DOG 2000

P 422

Rezidiv eines akuten retinalen Nekrosesyndroms bei Mangelernährung 15 Jahre nach Erstmanifestation

C: Woldt *, V. Seiberth *, K. F. Manthey **

Hintergrund: Das akute retinale Nekrose-Syndrom(ARN) ist eine seltene Erkrankung, die durch eine schwere okklusive Vaskulitis der Netzhaut- und Aderhautgefäße, diffuse nekrotisierende Retinitis, Glaskörperinfiltration und schließlich rhegmatogener Netzhautablösung die Sehfunktion ernsthaft gefährdet. Ursächlich sind bei der bei einem Drittel der Patienten beiderseitigen Erkrankung Varizella zoster- und Herpes simplex-Viren. Rezidive sind nach jahrelangem symptomfreien Intervall möglich.

Fallbericht: Bei einer 75jährigen Patientin war nach beiderseitiger ARN ein Auge nach Netzhautablösung und vollständiger Erblindung enukleiert worden. In diesem Bulbus war der Nachweis von Varizella zoster-Virus DNA erstmals möglich (Rummelt V, Arch Ophthalmol 1992;110:1132-1136). Fünfzehn Jahr später trat nach 11 Monate dauernder absolut fettfreier und nahezu proteinfreier Diät wegen erhöhter Blutfett- und Cholesterinwerte ein Rezidiv der ARN am letzten Auge auf. Unter hochdosierter Therapie mit Aciclovir und Kortison heilten die retinalen Entzündungsherde aus. Die Netzhaut lag allseits an. Die Sehschärfe war cc 0,5.

Schlussfolgerung: Eine extreme Diät mit Mangelernährung kann das Rezidiv einer akuten Netzhautnekrose 15 Jahre nach beiderseitiger Ersterkrankung auslösen. Die Gefahr eines Rezidivs der ARN sollte von den behandelnden Ärzten aller Fachrichtungen beachtet werden.

* Klinik fiir Augenheilkunde, Marienhospital, Johannisfreiheit 2-4, D-49074 Osnabrück

** Holstenstr. 59, D-24582 Bordesholm



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