98. Jahrestagung der DOG 2000

V 405

Abwehrmechanismen in den ableitenden Tränenwegen des Menschen

F. Paulsen1, A. Thale2, U. Schaudig3, B. Tillmann1

Einleitung: Die Dakryocystitis ist die häufigste Erkrankung des Tränenableitungs-systems. Über die Abwehrmechanismen, die in den ableitenden Tränenwegen eine Rolle spielen, liegen nur wenige Untersuchungen vor. Ziel ist es, die ableitenden Tränenwege unter immunologischen Aspekten zu analysieren.

Methoden: Es kommen histologische, histochemische sowie immunhistochem-ische Methoden zur Anwendung.

Egebnisse: Becherzellen, die als solitäre Zellen oder in Form intraepithelialer Drüsen im Epithel von Tränensack und Tränennasengang vorkommen, produzieren Glykoproteine, die Kohlenhydrate wie Fukose und Sialinsäuren enthalten. Der von Becherzellen produzierte Schleim enthält Muc 2; Muc 1 wird nicht nachgewiesen. Einzelne Epithelzellen reagieren positiv mit Antikörpern gegen Lysozym, Laktoferrin und Pospholipase A2. IgA kommt in subepithelialen Plasmazellen, in Epithelzellen und im Schleim auf der Epithelzelloberfläche vor. In mehr als 1/3 der untersuchten Fälle wird organisiertes lymphatisches Gewebe nachgewiesen, das die zytomorphologischen und immunophänotypischen Merkmale von Mukosa-assoziertem lymphatischem Gewebe (MALT) aufweist. In allen weiteren Fällen wird die Lamina propria diffus von Abwehrzellen infiltiert.

Dikussion: Die von Becherzellen synthetisierten Muzine bilden einen speziellen Schutzfilm auf dem Epithel der ableitenden Tränenwege. Er verhindert gemeinsam mit IgA, antimikrobiellen Peptiden (Lysozym, Laktoferrin, Phospholipase A2) und Abwehrzellen das Eindringen von Krankheitserregern und beugt somit Dakryocystitiden und konsekutiv der Ausbildung von Stenosen vor. MALT in den ableitenden Tränenwegen wird entsprechend anderen Körperregionen als TALT (Tränenwegs-assoziiertes lymphatisches Gewebe) klassifiziert. Da TALT nur in einem Teil scheinbar „gesunder" Tränenwege vorkommt, wird diskutiert, dass TALT im Laufe des Lebens aufgrund unbekannter Stimuli erworben wird.

1Anatomisches Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Olshausenstr. 40, D-24098 Kiel;
2Klinik für Ophthalmologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Hegewischstr. 2, D-24105 Kiel;
3Klinik für Ophthalmologie, Universitäts-klinikum Hamburg Eppendorf, Martinistr. 52, D-20246 Hamburg




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