98. Jahrestagung der DOG 2000

V 382

Indikation und Prognose der Dakryozystorhinostomie im Kindesalter – eine klinische Studie 1970 - 2000

G. Struck, R. Weidlich

Einleitung: Die Dakryozystitis im Kindesalter ist eine ernste Komplikation der angeborenen - selten der erworbenen - postsakkalen Tränenwegs-stenose. Bei Versagen konservativer Maßnahmen kommt auch eine Dakryozystorhinostomie (DZR) in Betracht. Indikationsstellung, Besonder-heiten und Ergebnisse sollen retrospektiv überprüft werden.

Patienten und Methode: Zwischen 1/1970 und 2/2000 wurden an der Augenklinik Halle 72 Kinder (56 männlich, 16 weiblich) im Alter von 10 (7) Monaten bis 14 Jahren (durchschnittlich 4,9 Jahre) wegen einer persistie-renden Dakryozystitis (18 x beidseits!) mit einer Dakryozystorhinostomie versorgt und fortlaufend dokumentiert. 66 Kinder (52 männlich, 14 weib-lich) mit 84 operierten Tränenwegen (46 rechts, 38 links) wurden nach-untersucht.

Ergebnisse: Ursache der Dakryozystitis war 63 x eine angeborene und bei 3 Kindern eine erworbene Tränenwegsstenose infolge Mittelgesichtsfraktur. Weitere Fehlbildungen der ableitenden Tränenwege zeigten 20 (30,3%) und allgemein 20 Kinder (30,3%). Ein familiäres Auftreten der Tränenwegs-erkrankungen lag in 8 Fällen ( 12,1%) vor. Die Operationen erfolgten seit 1985 unter mikrochirurgischen Bedingungen und seit 1998 teilweise mit laserassistierter Technik. Eine funktionelle Heilung (aktiver Tränenabtrans-port, keine Beschwerden) zeigten bei einer Nachbeobachtungszeit von 1 Monaten bis 12 Jahren (durchschnittlich 1,6 Jahre) 76 der 84 operierten Tränenwege (90,4%).

Schlußfolgerungen: Bei persistierender Dakryozystitis infolge kongenitaler Tränenwegsstenose liegen häufig weitere Fehlbildungen sowie eine familiäre Belastung vor. Die Dakryozystorhinostomie im Kindesalter erfordert minimal invasive und zunehmend laserassistierte Techniken. Sie kann nach dem vollendeten 1. Lebensjahr in einem entsprechenden Zentrum mit der gleichen Erfolgsrate wie bei Erwachsenen von 90 - 95% durchgeführt werden.

Augenklinik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Magdeburger Str. 8, 06097 Halle/Saale



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