98. Jahrestagung der DOG 2000

P 368

Kasuistik: Osteom des Sinus frontalis als seltene Differentialdiagnose einer endokrinen Orbitopathie

L. Blomberg1, R. Gockeln1, B. Schwab2, B. Haubitz3, R. Winter1

Einführung: Eine 44jährige Patientin stellt sich zur Frage der orbitalen Dekompression am linken Auge bei auswärts diagnostizierter „endokriner Orbitopathie mit linksseitigem Exophthalmus" vor. Seit 1996 ist der Exophthalmus links bekannt, 11/1997 und 4/1999 sind auswärtig Retrobulbärbestrahlungen mit einer Gesamtdosis von 25 Gray nebst Steroidstoßtherapien ohne Erfolg durchgeführt worden. Eine Autoimmunthyreopathie ist bekannt.

Patient und Methode: Die klinische Untersuchung zeigte folgende Resultate: Visus: RA cc. 0.9 LA: cc. 0.7, Exophthalmometrie: Basis: 106 mm Rechts : 20 mm Links: 22 mm, konkomitante +VD, Bulbustieferstand des linken Auges (nach Kestenbaum) von 2mm, Doppelbildphänomene bei Aufblick, Motiltätseinschränkung des M. rectus sup. & obliquus inferior. Bei Palpation der oberen Orbitakante fällt eine druckindolente unverschiebliche Raumforderung auf. Im NMR und Spiral-CT zeigt sich eine durch das Orbitadach nach intraorbital unter Verlagerung der retrobulbären Muskulatur wachsende Raumforderung. Im endokrinologischen Screening zeigt sich eine euthyreote Stoffwechsellage.

Ergebnisse: Es erfolgt die osteoplastische Sirnhöhlen-Operation mit Obliteration des knöchernen Defektes. Intraoperativ zeigt sich ein Osteom der Stirnhöhle. Postoperativ ist der Visus stabil, Doppelbildphänomene, Vertikaldeviation und Exophtalmometrie sind rückläufig.

Diskussion: Bei einer therapierefraktären endokrinen Orbitopathie ist differentialdiagnostisch immer auch an andere raumfordende orbitale Prozeße zu denken. Deswegen ist eine kombinierte bildgebende Diagnostik mit NMR und CT von entscheidender
Bedeutung.

1Augenklinik, 2Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, 3Abteilung für Neuroradiologie der Medizinischen Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Str. 1, D-30625 Hannover



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