98. Jahrestagung der DOG 2000

P 366

Lokalisation früher perimetrischer Defekte bei präperimetrischen Offenwinkelglaukomen (präOWG)

A. G. M. Jünemann, P. Martus, A. Bergua, M. Wisse, M. Korth

Hintergrund: Das Ausmaß des funktionellen Schadens bei Offenwinkelglaukomen (OWG) kann zwischen dem rechten und linken Auge eines Patienten asymmetrisch verlaufen. Es ist zu erwarten, daß das normale Gesichtsfeld eines Auges mit präOWG mit perimetrischem OWG des kontralateralen Auges im Vergleich zum beidseitigen präOWG frühe funktionelle Defekte aufweist. Somit kann die Diagnose eines perimetrischen OWG auf dem kontralateralen Auge als Modell für einen frühen funktionellen Schaden bei OWG ohne perimetrische Defekte in der weiß-auf-weiß Perimetrie (präOWG) verwendet werden. Ziel dieser Studie war die Lokalisation einer solchen frühen Gesichtsfeldalteration mit Hilfe der retinalen Nervenfaserbündel (RNFB)-orientierten Gesichtsfeldanalyse.

Methoden: 210 Augen von 105 Patienten mit bilateralem präOWG (Alter: 48,7±11,8 Jahre, MD: 0,61±1,27 dB, CLV: 1,63±2,11 dB²) und 24 Augen von 24 Patienten mit präOWG auf einem Auge und perimetrischem OWG auf dem kontralateralen Auge (Alter: 57,1±11,1 Jahre, MD: 1,14±1,04 dB, CLV: 2,31±3,6 dB²) wurden in diese Studie eingeschlossen. Diagnosekriterien für präOWG waren glaukomatöse Optikusatrophie (Stereofarbfotos), normales Gesichtsfeld (Octopus G1, MD, CLV, Bebié-curve) und IOD>21, für OWG glaukomatöse Optikusatrophie, pathologisches Gesichtsfeld und IOD>21 mmHg. Die Gruppen waren bezüglich Alter und IOD vergleichbar. Die Gesichtsfelder wurden bezüglich des globalen MD, der CLV sowie der lokalen MD von 10 Arealen (RNFB 1-10) nach Weber und Ulrich (1) analysiert. Statistik: Receiver operating characteristics (ROC) Analysis: AZ (Fläche unter den ROC-Kurven) und p-Werte (Mann-Whitney-Test).

Ergebnisse: MD: 0.64 (p=0.021), RNFB 3: 0.646 (p=0.019), RNFB 7: 0.647 (p=0.018), RNFB 8: 0.692 (p=0.002), RNFB 9: 0.667 (p=0.009), RNFB 10: 0.664 (p=0.002). Keine signifikanten (p>0.1) Unterschiede zwischen beiden Gruppen fanden sich in der CLV, und den Bündeln RNFB1, 2, 4, 5, 6.

Diskussion: Der funktionelle Glaukomschaden beginnt im Bjerrumareal des Gesichtsfeldes. Das hier vorgestellte Modell ist zur Analyse der Topographie eines frühen funktionellen Schadens bei Glaukomen geeignet. Die Nervenfaserbündel bezogene Analyse des Gesichtsfeldes ist hierbei hilfreich.

1) Weber J, Ulrich H. Perimetric nerve fiber bundle net. Int Ophthalmol 1991; 15: 193-200

Augenklinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg, Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen



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