98. Jahrestagung der DOG 2000

V 35

Augendruckentwicklung nach perforierender Keratoplastik wegen Keratokonus und Fuchsscher Dystrophie – Vergleich von mechanischer und Lasertrepanation

B. Seitz, A. Langenbucher, N. X. Nguyen, M. Küchle, G. O. H. Naumann

Hintergrund und Ziele: Die Häufigkeit der "Sekundärglaukome" nach perforierender Keratoplastik (PK) wird in der Literatur bei stark variierender Definition mit 10% bis 35% angegeben. In dieser Studie sollte der Einfluß der Trepanationsart auf die Druckentwicklung in einer positiv selektionierten Patientengruppe untersucht werden.

Patienten und Methoden: Die Einschlußkriterien für diese prospektive, randomisierte, klinische Querschnittstudie waren: (1) Ein Operateur (G.O.H.N.), (2) Zentrale Erst-PK, (3) Fuchssche Dystrophie (7,5/7,6 mm) oder Keratokonus (8,0/8,1 mm), (4) Doppelt-fortlaufende Kreuzstichnaht. Ausschlußkriterien waren: (1) Zurückliegender intraokulärer Eingriff, (2) Präoperatives Glaukom, (3) Postoperative Bulbusruptur oder Endophthalmitis. Bei 170 Patienten (mittleres Alter 51± 18 Jahre) wurde die PK randomisiert entweder mittels 193 nm Meditec Excimerlasers entlang von Metallmasken (EXCIMER: 50 Keratokonus, 32 Fuchs) oder mittels Motortrepan (Mikrokeratron, Geuder) (KONTROLLE: 53 Keratokonus, 35 Fuchs) durchgeführt. Bei 27% der EXCIMER und 29% der KONTROLLE erfolgte eine Triple-Prozedur. Die perioperative Therapie mit Azetazolamid systemisch sowie die postoperative lokale Steroidtherapie waren standardisiert.

Ergebnisse: Bei EXCIMER betrug der maximale perioperative Druck während des stationären Aufenthaltes 15,7± 3,6 (7% > 21, max. 28) mmHg, bei KONTROLLE 16,2± 3,5 (7% > 21, max. 30) mmHg. Während einer Beobachtungsdauer von 3,3± 1,4 bzw. 3,5± 1,2 Jahren wurde bei 9% der EXCIMER und 15% der KONTROLLE (p = 0,32) bzw. bei 15% mit Fuchsscher Dystrophie und 11% mit Keratokonus (p = 0,41) ein Druck > 21mmHg und/oder die Applikation von Antiglaukomatosa dokumentiert. Der individuell maximale Druck im gesamten postoperativen Verlauf betrug bei EXCIMER durchschnittlich 16,6± 3,5 (12 bis 38) mmHg, bei KONTROLLE 17,2± 3,2 (12 bis 30) mmHg. Die Druckerhöhung begann im Mittel 3,7± 2,8 Monate (1 Woche bis 9 Monate) postoperativ und endete im Mittel 6,5± 3,1 Monate (6 Wochen bis 12 Monate) postoperativ. Nur bei einer Patientin nach Triple-Prozedur bei Fuchsscher Dystrophie bestand eine Drucksteigerung von 32 Monate postoperativ bis zum Ende des Beobachtungszeitraums, ohne daß es jedoch zu einer glaukomatösen Optikusatrophie gekommen wäre.

Schlußfolgerungen: In nicht voroperierten Augen mit Keratokonus und Fuchsscher Dystrophie tritt selten eine temporäre "sekundäre okuläre Hypertension nach PK" ohne erkennbaren Einfluß der Trepanationsmethode auf. Bei standardisierter Operationstechnik und unkompliziertem Verlauf scheint der Übergang in ein sekundäres Offenwinkelglaukom eine Rarität zu sein.

Augenklinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg, Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen



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