98. Jahrestagung der DOG 2000

P 336

Traumatische Sehbahnschädigung nach Auffahrunfall mit geringer Geschwindigkeit

M. Kurnatowski-Billion, B. Schroeder, S. Hörle

Hintergrund: Isolierte Traumata der Sehbahn mit homonymer Hemianopsie sind nach Verkehrsunfällen selten. Wir berichten über einen Patienten, der eine solche Läsion nach einem Auffahrunfall mit geringer Geschwindigkeit erlitt.

Kasuistik: Der Patient erlitt als angeschnallter Fahrer einen AuffahrunFall mit geringer Geschwindigkeit (ca. 15 km/h), wobei er sich ein HWS Schleudertrauma Grad I-II zuzog. Unmittelbar nach dem UnFall traten starke Kopfschmerzen auf, der Patient bemerkte eine Visusreduktion des rechten Auges sowie einen rechtsseitigen GesichtsfeldausFall. Bei der augenärztlichen Untersuchung wurde eine Sehschärfe von 0,5 am rechten und von 1,0 am linken Auge festgestellt. Die Gesichtsfelduntersuchung zeigte einen inkompletten, mäßig kongruenten, homonymen AusFall nach rechts, der für eine Läsion im Bereich des linken Tractus opticus bzw. Corpus geniculatum laterale sprach. Beide Papillen waren unauffällig. Ein CCT unter Gabe von Kontrastmittel war ohne Auffälligkeiten. In den nachfolgenden Wochen stieg der Visus des rechten Auges wieder an und betrug schließlich beiderseits 1.0. Eine Papillenabblassung war erstmals nach 6 Monaten zu beobachten, die Gesichtsfeldausfälle persistierten.

Schlußfolgerung: Auch bei Verkehrsunfällen mit geringer Geschwindigkeit kann es durch Schleuderbewegungen des Gehirns zu Sehbahnläsionen kommen. Pathogenetisch wird hierfür ein Zerreißen von Axonen durch die auftretenden Beschleunigungskräfte angenommen. Die resultierende axonale Schädigung kann ohne neuroradiologisch sichtbare Veränderungen bleiben.

Medizinisches Zentrum für Augenheilkunde der Philipps-Universität Marburg, 35033 Marburg



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