98. Jahrestagung der DOG 2000

K 334

Monosymptomatische Optikoneuropathie mit bilateraler inferiorer altitudinaler Hemianopsie bei Infektion mit Borrelia burgdorferi

C. E. Uhlig* , S. Evers¨ , F. Stögbauer¨ , H. Gerding*

Einleitung: Fallbericht über einen 60jährigen Patienten mit akuten beidseitigen Optikoneuropathien 18 Monate nach multiplen,anschließend symptomlosen Zeckenbissen.

Kasuistik: Aufnahmebefund: Fernvisus beidseits sc. 1.0, randunscharfe, leicht prominente Papillen mit randständigen Blutungen, beidseits inferiore altitudinale Hemianopsie, linkstemporal über die Mittellinie nach superior hinausgehend, Schachbrettmuster-VECP P-100 rechtes Auge 108 msec, links 125 msec, klinisch neurologisch unauffällig. Im MRT wurde eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung im clinoidalen und subclinoidalen Abschnitt definiert. Die Lumbalpunktion ergab einen intrathekalen Druck von 10 cm H2O, 192/3 Lymphozyten, 18/3 Erythrozyten, 642 mg/l Protein, eine Schrankenstörung für IgG und IgA sowie ZNS-eigene IgM-Bildung. Borrelien-IgM-Antikörper im Liquor waren hoch positiv als Zeichen für ein entzündliches Liquorsyndrom bei Neuroborreliose. Unter einer Therapie mit 1 g Methylprednisolon tgl. sowie 1 g Cephtriaxon tgl. über insgesamt 24 Tage langsam ausschleichend besserte sich der zwischenzeitlich beidseits auf 0.1 reduzierte Visus rechts auf 1.0 sowie links auf 0.2 - 0.4 und die Gesichtsfelder entfalteten sich teilweise wieder.

Schlußfolgerung: Die ungewöhnliche und hier erstmals beschriebene Manifestation einer ZNS-ständigen Borreliose-Infektion mit bilateraler altitudinaler Hemianopsie kann durch eine mechanisch bedingte Ischämie im Bereich der Foramina optica erklärt werden.

  • Klinik und Poliklinik für Neurologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Albert-Schweitzer-Str. 33, D-48129 Münster



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