98. Jahrestagung der DOG 2000

P 329

Papillenödem durch Valsalva-Manöver

A. Grodon, E. Apfelstedt-Sylla, N. Stübiger

Einleitung: Es ist bekannt, daß ein Valsalva-Manöver sowohl den intracraniellen Druck, als auch konsekutiv den intraokulären Venendruck, erhöhen kann. Wir präsentieren einen Patienten, der nach einem Valsalva- Manöver ein Papillenödem mit peripapillären Blutungen entwickelte.

Kasuistik: Anamnestisch hatte der Patient wegen eines Bandscheibenprolapses LWK 4/5 hochdosiert nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAP) (3500-4000mg Acetylsalicylsäure) eingenommen. Am nächsten Tag kam es wenige Stunden nach Einnahme von 250-300mg Diclofenac zu heftigem Erbrechen. Wegen eines Schleiers vor dem LA, den der Patient nach dem Erbrechen bemerkte, stellte er sich erstmals in unserer Klinik vor. Der Visus betrug beidseits 1,0, in der Perimetrie zeigte sich, links deutlicher als rechts eine Vergrößerung des Blinden Fleckes. Motilitätsstörungen lagen nicht vor. Funduskopisch stellten sich beidseitige Papillenödeme mit ausgeprägten peripapillären Blutungen dar. Eine darauffolgende Kernspinuntersuchung des Schädels zeigte einen Normalbefund. Eine Neuroborreliose konnte ausgeschloßen werden. In den multiplen Lumbalpunktionen fanden wir einmalig eine positive PCR für Varizella zoster Viren, die in einer Kontrollpunktion nicht bestätigt werden konnte. Eine Acyclovir-Therapie brachte keine Befundveränderung.

Diskussion: Das gefundene Papillenödem sowie die peripapillären Blutungen sind am ehesten auf eine massive Einnahme von nichtsteroidalen Antiphlogistika (thrombozytenaggregationshemmende Wirkung) mit konsekutivem heftigen Erbrechen (Vasalva-Manöver) zurückzuführen. Eine zusätzliche Herpes zoster-Beteiligung ist denkbar, jedoch angesichts der Anamnese und des klinischen Bilds unwahrscheinlich.

Universitäts-Augenklinik Tübingen, Abteilung für Pathophysiologie des Sehens und Neuroophthalmologie, Schleichstraße 12, D - 72070 Tübingen



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