98. Jahrestagung der DOG 2000

V 319

Unmittelbare Untersuchung der Sehbahnfunktion mittels VEP

K. Ruether1, M. Bohne2, J. Finger3

Einleitung: Die intraoperative Beobachtung der Sehbahnfunktion während neurochirurgischer Eingriffe wird nicht nur durch die geringe Höhe des visuell evozierten Potenzials (VEP) erschwert, sondern auch durch den Zeitverzug zwischen Aktion und Information des Neurochirurgen. Es wurde daher eine Methode entwickelt, mit der unmittelbar Aussagen über die Sehbahnfunktion gemacht werden können.

Methoden: Als Reiz dienen mit 16 Hz flimmernde rote Leuchtdioden, die in eine Brille eingebaut sind. Die Ableitung erfolgt in üblicher Weise mit Goldnapfelektroden über Oz und FPz mit der Erdung am Ohr. Nach Digitalisierung und Verstärkung wird sowohl das aktuelle Potenzial als auch die 16-Hz-Komponente aus den jeweils letzten 20 Zyklen (Zeit pro Zyklus 1 Sekunde) beobachtet. Die 16-Hz-Komponente wird mittels schneller Fourier Transformation (FFT) simultan berechnet. Die Methode wurde zunächst an 10 normalsichtigen Personen angewandt.

Ergebnisse: Ein stabiles Potenzial konnte nach 20 Zyklen in der Regel erreicht werden. Die willentliche Unterbrechung der Reizung z.B. durch Lidschluss konnte unmittelbar an der Entwicklung der 16-Hz-Komponente abgelesen werden. Bei erneuter normaler Reizung kehrte sich die Potenzialentwicklung wieder um und erreichte rasch die Ausgangshöhe. Eine wesentliche Einschränkung erfuhr das Verfahren durch den Umstand, dass nicht bei allen Probanden reproduzierbar ein stabiles Potenzial abgeleitet werden konnte. Als mögliche Störfaktoren kommen Potenzialartefakte in Betracht (Muskelartefakte, EEG).

Diskussion: Für die Durchführung eines effizienten intraoperativen Monitorings während neurochirurgischer Eingriffe an der Sehbahn ist eine unmittelbare Aussagemöglichkeit unabdingbar. Es konnte gezeigt werden, dass dieses Ziel durch die simultane Auswertung des abgeleiteten VEP mittels FFT grundsätzlich erreicht werden kann. Die nicht immer reproduzierbaren Potenziale zeigen jedoch, dass der Kompromiss zwischen Anzahl der in die Auswertung einbezogenen Zyklen und einer möglichst schnellen Aussagemöglichkeit optimiert werden muss. Erste Vorversuche zeigen aber auch, dass die Methode bei narkotisierten Patienten stabiler zu sein scheint.

1Augenklinik UKE Hamburg, Martinistraße 52, D - 20246 Hamburg

2Charité-Augenklinik, Berlin

3Roland Consult, Wiesbaden



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