98. Jahrestagung der DOG 2000

R 307

Funktionelle Defizite in V1 bei amblyopen Katzen

K. E. Schmidt1,2, R. A. W. Galuske2, W. Singer2

Einleitung: Frühes konvergentes Schielen führt häufig zu permanenten visuellen Defiziten eines Auges, die mit dem Begriff Amblyopie zusammengefaßt werden. Elektrophysiologische Einzelzellableitungen an Katzen und Primaten ließen vielfach das neurophysiologische Substrat der Defizite (z.B. veringerte Sehschärfe) in höheren visuellen Arealen vermuten. Trotz unbeeinträchtigter Antworteigenschaften der vom amblyopen Auge getriebenen Einzelneurone zeigten sich jedoch Hinweise auf gestörte Interaktionen zwischen Nervenzellen bereits im primären Sehrindenareal (V1). In der vorliegenden Arbeit wurde mit der größere Gesichtsfeldausschnitte erfassenden optischen Ableitung intrinsischer Signale die Modulation neuronaler Antworten in V1 konvergent schielender Katzen untersucht.

Methode: Die metabolische Nervenzellaktivität in der primären Sehrinde konvergent schielender Katzen wurde während randomisierter monokulärer Stimulation mit verschiedenen Orientierungen und verschiedenen Ortsfrequenzen (0.1-2.0cyc/°) abgeleitet. Die objektive Sehschärfenentwicklung wurde mit visuell evozierten Potentialen VEP dokumentiert.

Ergebnisse: Katzen, welche keine relativen Amplitudendifferenzen im VEP der beiden Augen aufwiesen zeigten bei keiner Ortsfrequenz signifikante Unterschiede in der Modulationsstärke der Orientierungspräferenzkarten. Lagen signifikant geringere VEP-Amplituden für ein Auge vor, so konnten bei hohen Ortsfrequenzen (> 1.0 cyc/°) keine Karten mehr durch dieses Auge, wohl aber durch das Partnerauge, evoziert werden. Die Orientierungskarten des schwächeren Auges waren bei niedrigeren Ortsfrequenzen (0.4-0.7cyc/°) schon weniger moduliert als die des normalsichtigen Auges.

Diskussion: Es fand sich eine Korrelation zwischen dem Verlust an mit dem VEP bestimmbarer objektiver Sehschärfe bei Ambylopie und der durchschnittlichen Modulationsstärke der Orientierungspräferenzkarten in V1. Das Ergebnis legt die Vermutung nahe, daß Ambylopie mit bereits gestörter neuronaler Verarbeitung in V1 assoziiert ist.

1Zentrum für Augenheilkunde, Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Theodor-Stern-Kai 7, D-60596 Frankfurt/M.

2MPI für Hirnforschung, Deutschordenstr. 46, D-60528 Frankfurt/M, Germany



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