98. Jahrestagung der DOG 2000

R 296

Sehen und Wahrnehmen im Verkehr – der Beitrag der Verkehrspsychologie und die Schnittstelle zur Ophthalmologie

H. D. Sömen, J. Brenner-Hartmann

Die Verkehrspsychologie kommt bei Untersuchungen des Sehvermögens zum Einsatz, wenn Zweifel an der Leistungsfähigkeit eines Verkehrsteilnehmers bestehen. Bei der Überprüfung dieser Zweifel kommt dem Funktionieren der visuellen Wahrnehmung eine zentrale Rolle zu. Eine zuverlässige Orientierung im visuellen Wahrnehmungsraum und ein schnelles Erfassen von Gefahrensignalen sind elementare Voraussetzungen für das richtige Agieren und Reagieren im Straßenverkehr. Die Verkehrspsychologie hat es sich durch die Entwicklung geeigneter Tests zur Erfassung verkehrsspezifischer Leistungsparameter zur Aufgabe gemacht, zu überprüfen, was mit den neuronalen Signalen passiert, wenn sie den optischen Apparat des Auges verlassen haben. Die eingesetzten Testverfahren und die gewählte Art der Normierung sollen sicherstellen, dass neuropsychologische Störungen entdeckt, und ihre Folgen für die Verkehrssicherheit richtig bewertet werden.

Überschneidungen von Verkehrspsychologie und Ophtalmologie ergeben sich in beide Richtungen. So wie der Verkehrspsychologe vom Augenarzt abklären lassen muss, ob es sich bei den auffälligen Testresultaten um Mängel in der Verarbeitung der Wahrnehmungsinhalte und nicht um Sehmängel handelt, so wird den Ophtalmologen die Meinung des Verkehrspsychologen interessieren, ob das eingeschränkte Sehvermögen durch eine gute „Signalverarbeitung", also eine gute zentrale Wahrnehmung komplexer Inhalte, ausreichend kompensiert werden kann. Für den Psychologen entscheidend ist, ob sich festgestellte Seh- und Wahrnehmungsdefizite durch Einstellungen und Verhaltensweisen des Betroffenen kompensieren lassen.

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