98. Jahrestagung der DOG 2000

K 290

Erhöhte Prävalenz der APC-Resistenz bei jungen Patienten mit retinalem Gefäßverschluß

C. Kuhli1 , I. Scharrer2 , F. Koch1

Einleitung: Die Bedeutung von Gerinnungsdefekten für die Entstehung retinaler Gefäßverschlüsse wird weiterhin kontrovers diskutiert. Auch für die in jüngeren Studien untersuchte Resistenz gegen aktiviertes Protein C (APC-Resistenz) finden sich unterschiedliche Angaben zur Häufigkeit in entsprechenden Patientenkollektiven. In der vorliegenden Studie unter-suchten wir das Vorkommen dieses Gerinnungsdefektes unter Berück-sichtigung von Alter und kardiovaskulären Risikofaktoren.

Methoden: In einer prospektiven Studie führten wir bei 122 Patienten mit retinalen Gefäßverschlüssen sowie bei einem Vergleichskollektiv (n=99) mit gleicher Alters- und Geschlechtsverteilung ein umfangreiches Thrombophiliescreening sowie eine Anamnese kardiovaskulärer Risiko-faktoren durch. Patienten und Probanden wurden jeweils in zwei Alters-gruppen unterteilt (£ 45/> 45 Jahre). Für einen Vergleich der einzelnen Gruppen verwendeten wir den Chi-Square Test.

Ergebnisse: Bei 8 der 43 jungen Patienten (18,6%) konnte eine APC-Re-sistenz nachgewiesen werden, während lediglich 4 der 56 jungen Ver-gleichspersonen (7,7%) diesen Gerinnungsdefekt aufwiesen (p=0,042). In der Gruppe junger Patienten ohne kardiovaskuläre Risikofaktoren (n=24) betrug der Anteil mit APC-Resistenz sogar 29%, wobei alle diese Patien-ten einen Zentralvenenverschluß sowie eine auffällige Thromboseanam-nese aufwiesen. In der älteren Patientengruppe konnte nur bei 6 von 79 Patienten (7,6%) eine APC-Resistenz nachgewiesen werden

Diskussion: Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass der APC-Re-sistenz eine pathogenetische Bedeutung für die Entstehung retinaler Ge-fäßverschlüsse bei jungen Patienten (£ 45 Jahre) zukommt. Im Gegensatz dazu findet sich dieser Gerinnungsdefekt bei älteren Patienten mit retina-lem Gefäßverschluss nicht häufiger, als dies bei einem altersentspre-chenden Vergleichskollektiv oder in der Normalbevölkerung der Fall ist.

Klinik für Augenheilkunde
1 und Medizinische Klinik I2 , Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Theodor-Stern-Kai 7, D-60590 Frankfurt am Main



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